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Verband legt bildungspolitisches Positionspapier vor

Die Klage der Wirtschaft in MV ist nicht neu. Nach ihrer Meinung verlassen zu viele Jugendliche die Schule, ohne dass sie wirklich reif für eine Berufsausbildung sind. Der Unternehmer-Dachverband hat klare Erwartungen, wie die Fachkräftesicherung besser laufen soll.

Von dpa

Schwerin - Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern beklagt eine vielfach unzureichende Vorbereitung von Schulabgängern auf das Berufsleben. Oft fehle es an Grundkenntnissen und der nötigen Berufsreife. „Dabei können wir es uns in Zeiten eines zunehmenden Fachkräftemangels nicht leisten, dass jedes Jahr bis zu 20 Prozent durchs Raster fallen“, betonte der Vize-Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände (VU) MV, Thomas Maync, am Dienstag in Schwerin.

In dem von Maync präsentierten „Bildungspolitischen Positionspapier“ zur bevorstehenden Landtagswahl fordert der Unternehmer-Dachverband von der künftigen Landesregierung mehr Unterstützung bei der Sicherung des Berufsnachwuchses. Schon in der Schule sollen demnach wichtige Weichen für ein erfülltes Berufsleben gestellt und mehr Interesse für Ökonomie und Naturwissenschaften geweckt werden. Der Digitalpakt Schule soll schneller umgesetzt und Lehrer sollen dafür gezielt qualifiziert werden. Die Berufsorientierung soll intensiviert, die Berufsschulen sollen attraktiver gemacht und die Studienangebote stärker am Bedarf der Wirtschaft ausgerichtet werden, wie es in dem Papier heißt.

Die für Bildung und Hochschulen zuständige VU-Geschäftsführerin Susan Bach warnte davor, das Fach Werken mit den Bereichen Geografie, Sozialkunde und Geschichte in einem Fach Gesellschaftswissenschaften zusammenzulegen - bislang noch ein Modellprojekt. Zudem kritisierte sie Einschränkungen im Fach AWT (Arbeit - Wirtschaft - Technik) zu Lasten der Berufsorientierung, die zudem viel zu spät einsetze. „Wir müssen den Lehrern die nötige Zeit geben, die Berufsinteressen der Schüler zu erkunden und dann auch zu fördern“, sagte sie. Statt für ganze Klassen Betriebsbesuche zu organisieren, die dann nur wenige interessierten, müsse die individuelle Berufsorientierung ausgebaut werden.

Zudem fordert der Unternehmer-Dachverband eine Stärkung der Berufsschulen. Bei Standortentscheidungen soll die Wirtschaft enger einbezogen werden. Die Zahl technischer Studiengänge an den Hochschulen im Land soll erhöht und noch mehr für den Studienort Mecklenburg-Vorpommern geworben werden. Nach den Worten Bachs fehlt es im Nordosten insbesondere noch an dualen Studiengängen mit einer engen Kopplung an Unternehmen. „Die Hochschulstrukturen passen da bei uns noch nicht. In den westdeutschen Bundesländern ist man da weiter“, konstatierte sie.

Maync verwies auf die zunehmende Bedeutung des lebenslangen Lernens. Darauf müsse bereits in den Schulen hingewirkt werden, indem noch mehr Fähigkeiten vermittelt werden, sich selbst Wissen anzueignen. Der VU-Vize mahnte zudem mehr Unterstützung des Landes beim Aufbau regionaler berufsbezogener Weiterbildungsverbünde an, um bei der Kleinteiligkeit der Wirtschaft im Nordosten die Fortbildung effektiver gestalten zu können.