Verband: Niedergelassene Ärzte können Impfungen übernehmen

Die Klagen über eine gewisse Impfmüdigkeit werden immer lauter, das Erreichen einer Herdenimmunität erscheint fern. Nun stellt sich die Frage, ob die Impfzentren noch notwendig sind.

Von dpa 08.07.2021, 15:58
Ein Mann wird geimpft.
Ein Mann wird geimpft. Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Neubukow - Die niedergelassenen Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern sind nach Einschätzung des Hausärzteverbands in der Lage, die Corona-Impfkampagne weitgehend allein zu übernehmen. Impfzentren, wo am Tag um die 1000 Menschen geimpft werden, würden so nicht mehr gebraucht, sagte Verbandschef Stefan Zutz am Donnerstag. „Viele derer, die noch nicht geimpft sind, brauchen eine intensive Beratung.“

Auch im Nordosten sinken die Nachfrage und das Impftempo. Es gibt aktuell Klagen über viele verpasste Termine in den Zentren.

Die Verantwortlichen in der Politik müssten sich fragen, ob sich die Zentren noch effektiv an der Kampagne beteiligen können, sagte Zutz. Er zeigte sich davon überzeugt, dass Patienten die von Hausärzten vergebenen Termine ernster nehmen als bei Impfzentren. „Wir haben eine höhere Verbindlichkeit.“

Gleichzeitig schickten die Zentren mobile Teams in die Peripherie, um dort zu impfen. Als Beispiel nannte er Neubukow, wo am Mittwoch ein Impfteam mit 150 Dosen angerückt war. Gleichzeitig würden in der 4000-Einwohner-Gemeinde fünf niedergelassene Ärzte impfen.

Zutz erinnerte daran, dass es im Kampf gegen die Corona-Pandemie immer darum gegangen sei, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Angesichts einer Sieben-Tage-Inzidenz im Nordosten von unter 1 oder nur noch fünf Covid-Patienten in Kliniken am Mittwoch müssten viele Maßnahmen überdacht werden. „Da wir kein Corona-Problem in MV haben, können wir mehr öffnen und Rechte zurückgeben.“ So könnten in Innenräumen die Menschen wieder ohne Masken zusammenkommen.

Dabei kritisierte Zutz den Umgang mit der neuen, ansteckenderen Delta-Variante des Sars-CoV-2-Virus. „Angaben von 40 bis 50 Prozent Anteil an allen Infektionen erschrecken. Wenn ich aber nur 15 Fälle wie in der letzten Woche habe, dann können das 100 Prozent sein, ohne dass ein Problem für das Gesundheitssystem entsteht“, sagte Zutz. Es gelte, die Balance zwischen der Einforderung und der Angemessenheit von Kontaktbeschränkungen zu finden. „Wir können wieder eine Normalität erreichen, bei der sich Menschen ohne Abstand und Maske, aber dafür mit Respekt begegnen.“