Viel Kritik an neuem Schulfach Gesellschaftswissenschaften

Von dpa
Bettina Martin (SPD), Bildungsministerin von Mecklenburg-Vorpommern.
Bettina Martin (SPD), Bildungsministerin von Mecklenburg-Vorpommern. Frank Hormann/dpa/Archivbild

Schwerin - Gegen die Pläne von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) für ein neues Schulfach Gesellschaftswissenschaften in der fünften und sechsten Klasse hagelt es Kritik von fast allen Seiten. Nicht nur die Opposition, auch die mitregierende CDU meldet Bedenken an. In dem neuen Fach sollen Geschichte, Geografie sowie Arbeit-Wirtschaft-Technik (AWT) zusammengefasst und um Aspekte der politischen Bildung erweitert werden.

Der bildungspolitische Sprecher der Union im Landtag, Marc Reinhardt, forderte am Mittwoch, die Wissensvermittlung ins Zentrum zu stellen. Nach dem, was bisher bekannt sei, scheine dies jedoch in Frage zu stehen. So solle das Europaparlament behandelt werden, wenn über Europa gesprochen wird. „Allerdings wissen die Schüler zu diesem Zeitpunkt noch nichts über die Funktion des Parlamentes selbst.“ Es fehle das Wissensfundament, um das neue Thema einordnen und würdigen zu können.

Außerdem sollen Reinhardt zufolge wichtige Lerninhalte gestrichen werden. „Beispielsweise werden Wetterphänomene größtenteils auf den Bereich Klima reduziert.“ Zusammenhänge und Unterschiede zwischen Wetter und Klima würden nicht vermittelt.

Für die Linke ist momentan nicht der richtige Zeitpunkt für die Einführung eines neuen Schulfachs. Die Verunsicherung an den Schulen sei aufgrund der Corona-Pandemie groß. Außerdem gab die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg zu bedenken: „Politische Bildung ist wichtig und muss möglichst früh in den Unterricht eingebunden werden, darf aber nicht zu Lasten der Wissensvermittlung in den Einzelfächern gehen.“

Die ebenfalls oppositionelle AfD befürchtet eine Indoktrination der Kinder mit dem neuen Fach. Für die Lehrkräfte der Einzelfächer dränge sich die Frage auf, wie sie auch noch den Stoff der übrigen Fächer vermitteln sollen, die sie gar nicht studiert haben. Die von der Landesregierung angekündigten Fortbildungen dürften ein mehrjähriges Studium kaum ersetzen, mutmaßte der schulpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Jens-Holger Schneider.