Im Mai 1993 schlossen sich in Leipzig Bündnis 90 und die Grünen zu einer Partei zusammen / Im Osten leben nur einige tausend Mitglieder

Grüne sind 20 Jahre nach der Vereinigung noch immer eine Westpartei

Die rund tausend Delegierten und ihre Gäste konnten die Leipziger Messehallen bei weitem nicht ausfüllen, als Bündnis 90 und die Grünen vor 20 Jahren fusionierten. Der Ost-West-Vereinigungsparteitag hatte kaum begonnen, da wurde am 14. Mai 1993 schon der Assoziationsvertrag in Kraft gesetzt.

Monatelange Verhandlungen waren dem Zusammenschluss vorausgegangen. Doch über Jahre noch sollte die Geschichte von Bündnis 90/Die Grünen in Ostdeutschland von Ohnmachtsgefühlen und Mitgliederschwund geprägt sein. Dass heute die Ost-Frau Katrin Göring-Eckardt und der West-Mann Jürgen Trittin als Spitzenkandidaten zusammen Wahlkampf machen, kann auch als Zeichen später innerer Einheit bei den Grünen gewertet werden.

Die Thüringerin Göring-Eckardt war 1989 Gründungsmitglied von Demokratie Jetzt und Bündnis 90. Zu diesem Zeitpunkt war der in Bremen geborene Trittin schon seit neun Jahren Grünen-Mitglied. Heute geht es nicht um Ost und West, wenn sich das Kandidatenduo die Bühne teilt.

Der Fusionsprozess von Bündnis 90/Die Grünen war schwierig. Die linken und öfters lauten Grünen des Westens und die einstigen DDR-Oppositionellen mit ihrer eher ruhigen, auf Dialog ausgerichteten Art lagen sich nicht unbedingt. Auch die CDU war für viele im Osten anziehend.

Dann kamen die rund 37000 West-Grünen und die 2600 Bündnis-Mitglieder aber doch zusammen, um für "demokratische Reformziele zu kämpfen und politische Verantwortung zu übernehmen" - so das Gründungsdokument.

Im Bundestagswahlkampf 1990 war aber die deutsche Einheit das alles dominierende Thema - nur nicht für die Grünen. Ihr auf die Klimakatastrophe abzielender Slogan damals: "Alle reden von Deutschland, wir reden vom Wetter." Sie verpassten knapp den Wiedereinzug ins Parlament, während Bündnis 90 und Ost-Grüne in den neuen Ländern 6,1 Prozent bekamen und acht Abgeordnete stellten.

Die Grünen kehrten 1994 in den Bundestag zurück. 1998 kam die erste rot-grüne Regierung. Viele in der Partei sehen den Einfluss von Bündnis 90 bis heute als Beschleuniger für die wachsende bürgerliche Anerkennung der Grünen. Doch von den rund 60000 Mitgliedern leben immer noch nur einige tausend in den ostdeutschen Flächenländern. Der Einzug in ostdeutsche Landtage gelang den Grünen zuletzt nur knapp.

Am Dienstagabend feierten die Grünen ihr Jubiläum an symbolischer Stelle: dem Gleimtunnel, der den Westberliner Gesundbrunnen mit dem östlichen Prenzlauer Berg verbindet. (dpa)