Anschlag in Berlin

Hat Polizei den falschen Mann?

Die Polizei in Berlin geht inzwischen offenbar davon aus, dass es sich bei dem festgenommenen Mann nicht um den Todesfahrer handelt.

Berlin (tw) l Nach Medienberichten geht man in der Berliner Polizei offenbar davon aus, dass es sich bei dem festgenommenen Pakistani nicht um den Todesfahrer handelt. Das will die „Welt“ aus ranghohen Sicherheitskreisen erfahren haben. Auch Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes, kann nicht ausschließen, dass noch immer ein bewaffneter Täter unterwegs ist. Man sei "hochalarmiert", um eventuelle Tatbeteiligte zu identifizieren, sagte Münch. Man wisse nicht sicher, ob der richtige Mann gefasst worden sei und ob es nur einen einzigen Täter gebe.

Laut "Welt" seien die Angaben des mutmaßlichen Täters überprüft und als korrekt erachtet worden. „Wir haben den falschen Mann“, zitiert die "Welt" die Berliner Polizei. „Und damit eine neue Lage. Denn der wahre Täter ist noch bewaffnet auf freiem Fuß und kann neuen Schaden anrichten.“ Die Bereitschaftspolizei der Hauptstadt und die Spezialkräfte seien informiert.

Zuvor hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mitgeteilt, dass der festgenommene Verdächtige eine Tatbeteiligung abstreitet. Seinen Angaben nach stammt er aus Pakistan. Er sei am 31. Dezember 2015 nach Deutschland eingereist und registriert worden, sagte der Minister. Sein Asylverfahren sei noch nicht abgeschlossen.

Laut de Maizière habe man „keine Zweifel mehr, dass es sich bei dem schrecklichen Ereignis gestern Abend um einen Anschlag gehandelt hat“. Der Sattelschlepper sei bewusst in die Menschenmenge gesteuert worden. „Wir haben es mit einem brutalen Attentat zu tun“, sagte der Minister. Ein offizielles Bekenntnis einer Terrorgruppe gebe es noch nicht, jedoch aber indirekte Bekennungen.

Am Montagabend war ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gefahren. Zwölf Menschen kamen ums Leben, 48 wurden verletzt. De Maizière sagte, es seien erst wenige der Toten identifiziert. Nach seinen Angaben erlitten 18 Menschen, die noch in Behandlung sind, schwere Verletzungen.