Nordrhein-Westfalen

Nach antisemitischen Demos: „Da mischt sich viel zusammen“

Die Polizei ermittelt nach den antisemitischen Sprechchören nahe der Synagoge in Gelsenkirchen weiter. NRW-Innenminister Herbert Reul spricht von einem gemischten Täterspektrum.

Von dpa
„Das sind nicht nur palästinensische Gruppen“: Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen
„Das sind nicht nur palästinensische Gruppen“: Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen Federico Gambarini/dpa/Archiv

Gelsenkirchen - Die antisemitischen Ausschreitungen der vergangenen Tage sind nach Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums einem gemischten Täterspektrum zuzuschreiben.

„Das sind nicht nur palästinensische Gruppen“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) im „Morgenecho“ von WDR 5. Zwar seien die Fälle noch nicht zu 100 Prozent ermittelt, es gehe aber insgesamt um Menschen aus dem arabischen Raum, aus Syrien etwa und im Fall eines Verdächtigen aus Gelsenkirchen um einen Deutsch-Libanesen. „Da mischt sich unheimlich viel zusammen.“

Der 26-Jährige war nach antisemitischen Sprechchören nahe der Synagoge in Gelsenkirchen am Donnerstag als erster Tatverdächtiger identifiziert worden, nachdem eine Polizeikette am Mittwochabend einen antisemitischen Demonstrationszug an der Synagoge gestoppt hatte. Die Polizei sprach von etwa 180 Menschen, die sich unangemeldet versammelt hatten. In einem per Twitter verbreiteten Video des Zentralrats der Juden sind Sprechchöre mit antisemitischen Inhalten zu hören. Zu sehen sind Menschen unter anderem mit palästinensischer, türkischer und tunesischer Flagge.

In der Nacht zum Mittwoch waren vor Synagogen in Münster und Bonn israelische Flaggen angezündet worden. In Solingen verbrannten Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag eine vor dem Rathaus gehisste israelische Flagge. Zuvor war der Gaza-Konflikt zwischen militanten Palästinensern und Israel wieder eskaliert.

Reul bezeichnete es als „erschreckend, nicht akzeptabel, unerträglich, wenn auf deutschem Boden antisemitische Parolen skandiert werden“. Jüdisches Leben in Deutschland müsste eine Selbstverständlichkeit sein. Die Initiative gegen Antisemitismus Gelsenkirchen hat via Twitter für diesen Freitag zu einer Solidaritätskundgebung vor der Synagoge aufgerufen.