Hoffnung auf Anschlusslösung

Video: Nachfolger für 9-Euro-Ticket in Sicht? Das ist der aktuelle Stand

Verkehrsminister Volker Wissing hat Finanzminister Christian Lindner wohl von einem Nachfolger des 9-Euro-Ticket überzeugt. Unter welchen Bedingungen nun ein dauerhafter Rückfall in die alten Tarifstrukturen verhindert werden soll.

Aktualisiert: 31.08.2022, 13:20
Das Display eines Fahrkartenschalters auf dem Hauptbahnhof Dresden zeigt das Angebot das 9-Euro-Tickets. Das Ticket läuft am 31. August ohne Nachfolgeregelung aus. Aber bleibt es wirklich dabei?
Das Display eines Fahrkartenschalters auf dem Hauptbahnhof Dresden zeigt das Angebot das 9-Euro-Tickets. Das Ticket läuft am 31. August ohne Nachfolgeregelung aus. Aber bleibt es wirklich dabei? (Foto: dpa)

Berlin/DUR/dpa - Das 9-Euro-Ticket ist ausgelaufen. Fahrkarten kosten von nun an wieder den sonst üblichen Preis. Drei Monate lang konnten Inhaber des 9-Euro-Tickets für jeweils neun Euro durchs ganze Bundesgebiet fahren. Mit der Aktion wollte die Bundesregierung die durch die hohe Inflation belastete Bevölkerung finanziell entlasten. Das ist nun vorerst vorbei.

Inzwischen ist ein Streit zwischen Bund und Ländern um die Finanzierung einer Anschlussregelung entbrannt. Die Länder wollen, dass der Bund insbesondere die Regionalisierungsmittel für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aufstockt, um nicht nur ein neues günstiges Ticket, sondern auch das Angebot selbst zu bezahlen.

 
Drei Monate lang konnten Inhaber des 9-Euro-Tickets für jeweils neun Euro durchs ganze Bundesgebiet fahren. Video: TV Halle

9-Euro-Ticket: Verkehrsminister pocht auf Fortsetzung - Lindner jetzt auch für Nachfolger?

Bundesverkehrsminister Volker Wissing pocht in der Debatte über eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets auf eine Vereinfachung der Tarifstrukturen. „Die Menschen haben durch den Kauf dieser vielen Tickets darüber abgestimmt, dass es so nicht bleiben soll“, das sagte der FDP-Politiker am Mittwoch im Deutschlandfunk mit Blick auf die Vielfalt an Tarifzonen und Verkehrsverbünden. Er habe Finanzminister Christian Lindner davon überzeugt, dass es ein weiteres, moderneres Ticket geben müsse.

Man werde sich deshalb dafür einsetzen, "dass es nicht wieder zum Rückfall in die alten Tarifstrukturen kommt so wie jetzt kurzfristig ab dem 1. September.“ Für einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets müssten aber zuerst die Struktur des Tickets und seine Finanzierung geklärt werden - und dann der Preis.

Finanzminister Lindner zu Nachfolger des 9-Euro-Tickets: "Jetzt sind die Länder dran"

Unter diesen Voraussetzungen sei der Bund auch bereit, einen Beitrag zur Finanzierung zu leisten, sagte der Verkehrsminister. „Man kann nicht vom Bund erwarten, dass er einfach Geld auf den Tisch legt, wenn die Länder selbst keine Vorschläge haben, wie das neue Ticket aussehen soll.“

Lindner bestätigte auf Twitter, dass ihn Wissing überzeugt habe. Der Minister könnte mit einem Bruchteil der Finanzmittel des 9-Euro-Tickets ein bundesweit nutzbares, digital buchbares Ticket realisieren, schrieb der Parteichef. „Jetzt sind die Länder dran. Wenn die Finanzierungsfrage klar ist, kann der Preis festgelegt werden.“

9-Euro-Nachfolgeticket: Welche Vorschläge gab es bisher?

Von den Grünen kamen zwei Vorschläge für die Nachfolger des 9-Euro-Tickets: ein regional gültiger Fahrschein für 29 Euro pro Monat und ein bundesweit gültiger für 49 Euro. Beide sollten wie das 9-Euro-Ticket nur für den Nah- und Regionalverkehr gelten.
Zur Finanzierung wollen die Grünen das Dienstwagenprivileg beschneiden, mit dem Unternehmen Kosten für Firmenwagen steuerlich absetzen können.
Finanzminister Lindner lehnte den Vorschlag der Grünen zum Dienstwagenprivileg strikt ab. Er nannte es in diesem Zusammenhang "linke Polemik". Untersuchungen hätten ergeben, dass die Pauschalversteuerung keinen Steuervorteil bedeuten würde.

9-Euro-Ticket sollte Bürger entlasten

Das vom Bund finanzierte 9-Euro-Ticket wurde zum 1. Juni eingeführt, um Menschen angesichts hoher Energiepreise zu entlasten und für einen Umstieg auf Bus und Bahn zu werben. Kunden konnten damit für 9 Euro pro Monat Nahverkehrs- und Regionalzüge in ganz Deutschland benutzen.

Kosten für 9-Euro-Ticket: So viel steuerte Bund bei

Nach Branchenangaben wurden etwa 52 Millionen Tickets verkauft. Der Bund finanzierte die dreimonatige Aktion mit 2,5 Milliarden Euro zum Ausgleich von Einnahmeausfällen bei Verkehrsunternehmen.

Extra App für 9-Euro-Ticket

Die Deutsche Bahn hatte eigens für den Verkauf des 9-Euro-Tickets eine App veröffentlicht. Die App wurde schlicht "9-Euro-Ticket" benannt. Es gibt sie für Android und für iOS. Die Systemvoraussetzungen für die App 9-Euro-Ticket sind iOS 13.5 oder Android 6.0.

9-Euro-Ticket: Was waren die Vorteile

Das 9-Euro-Ticket war auf zwei Ebenen eine Neuerung: Zum einen waren Bus und Bahn in den drei Monaten plötzlich unglaublich billig, zum anderen waren plötzlich alle komplizierten Tarifzonengrenzen weg. Die Menschen konnten mit einem Fahrschein überall fahren. Vor allem für ärmere Menschen wurden Ausflüge finanziell möglich.

Der Verband der deutschen Verkehrsunternehmen berechnete zudem, dass durch die so absolvierten ÖPNV-Fahrten im Vergleich zum Auto 1,8 Millionen Tonnen CO2 eingespart wurden.

9-Euro-Ticket: Was waren die Nachteile?

Bundesfinanzminister Christian Lindner war vor alem aufgrund der Kosten gegen eine Fortführung, da das Ticket mit mehreren Milliarden Steuergeld subventioniert werden musste.

Zudem klagten die Verkehrsunternehmen, dass das 9-Euro-Ticket für übervolle Busse und Bahnen sorgte. Auf bereits vorher gut ausgelasteten Strecken waren Züge extrem voll.

9-Euro-Ticket: Wie soll es jetzt weitergehen?

Konkrete Pläne liegen noch nicht auf dem Tisch, allerdings gibt es verschiedene Vorschläge und Modelle. So existiert die Idee der Grünen eines regionalen 29-Euro-Ticket, kombiniert mit einem bundesweiten 49-Euro-Ticket.

Die Verbraucherzentralen schlagen vor, ein bundesweites 29-Euro-Ticket einzuführen, der Verband der deutschen Verkehrsunternehmen sprach von einem 69-Euro-Ticket.

Zudem existiert weiter die Idee eines 365-Euro-Jahrestickets, also Mobilität für einen Euro pro Tag.

Welche Idee sich am Ende durchsetzen könnte, ist völlig unklar, ebenso, wer am Ende wie viel zahlen müsste. So haben mehrere Bundesländer eine Beteiligung angeboten, andere lehnen das grundsätzlich ab. Für zusätzliche Komplikationen sorgt, dass der Nahverkehr durch die steigenden Energiepreise grundsätzlich mehr Geld als bisher benötigt.