Vorwürfe der sexuellen Belästigung und außenpolitisches Unwissen sorgen für Stirnrunzeln

Republikaner treten auch ohne Sarah Palin von einem Fettnäpfchen ins nächste

Von Tina Heinz

In einem Jahr ist der Zirkus vorbei - die US-Amerikaner werden den nächsten Präsidenten gewählt haben und die Verlierer dieser Schlacht werden sich eventuell wieder auf das politische Tagesgeschäft konzentrieren. Und wenn die Republikaner ihre aktuelle Linie halten, dürften die Demokraten auch 2012 als Sieger aus dem Rennen um das Weiße Haus in der US-Hauptstadt Washington hervorgehen. Während der amtierende Präsident Barack Obama bereits im April verkündet hatte, für eine zweite Amtszeit zu kandidieren, steht sein Gegenspieler auf republikanischer Seite noch nicht fest.

Die "Yes-we-can"-Euphorie von 2008 ist längst verflogen. Vor allem der linke Flügel der demokratischen Partei ist von Obama und seiner Amtsführung enttäuscht. Die Auseinandersetzung um die Gesundheitsreform und die hohen Staatsschulden von mittlerweile mehr als 15 Billionen Dollar (etwa elf Billionen Euro) lassen auch seine Beliebtheit in der Bevölkerung schwinden.

Doch die Republikaner können davon kaum profitieren - vielmehr konzentrieren sich die Kandidaten darauf, sich gegenseitig ein Bein zu stellen. Oder sie geben sich ohne Fremdverschulden der Lächerlichkeit Preis. Und das schaffen sie auch ohne die Queen der Peinlichkeiten, Sarah Palin. Die ehemalige Gouverneurin Alaskas hatte nach langem Hin und Her Anfang Oktober bekannt gegeben, dass sie auf eine Kandidatur verzichtet.

Ein Grund für Wehmut ist dies nicht. Hat Palin doch in Michele Bachmann eine würdige Nachfolgerin gefunden. Die Abgeordnete aus Minnesota gehört - ebenso wie Palin - dem rechten Flügel der republikanischen Partei an und gilt als neue Tea-Party-Ikone. Ins Gespräch bringt sich Bachmann - ebenso wie Palin - durch populistisches Gerede und inkompetente Äußerungen.

In einer Radio-Talkshow des Konservativen Jay Sekulow brachte Michele Bachmann ihre Sorgen über einen unaufhaltsamen Abwärtstrend der USA zum Ausdruck. Andere Staaten hingegen - wie etwa China, Indien und die Sowjetunion - seien auf dem Weg nach oben. Dabei sollte man der Republikanerin zugute halten, dass sie nie behauptet hat, von ihrem Haus in Minnesota die Sowjetunion sehen zu können.

Auch Mistreiter Herman Cain scheint ein außenpolitisches Leichtgewicht zu sein. Dem in Memphis, Tennessee, geborenen Geschäftsmann und Politiker verschlug es Anfang der Woche im Interview mit der Tageszeitung Milwaukee Journal Sentinel die Sprache, als er nach seiner Haltung zu Obamas Libyen-Politik gefragt wurde.

"Ähh, Libyen", sagte Cain, der in den vergangenen Wochen vor allem durch Vorwürfe der sexuellen Belästigung in die Schlagzeilen geraten war. Nach sekundenlangem Schweigen hakte er dann vor laufender Kamera nach: "Präsident Obama hat den Aufstand unterstützt. Das ist doch so, oder?" Was daraufhin folgt, sind Halbsätze, die keine klare Position erkennen lassen - außer natürlich die Tatsache, dass er die Vorgehensweise Obamas in Libyen nicht befürworte.

Und selbst Rick Perry, dem zwischenzeitlich gute Aussichten als republikanischer Bewerber für das Präsidentenamt eingeräumt wurden, kommt nicht umhin, ins Fettnäpfchen zu treten. Das bislang peinlichste Malheur passierte dem Gouverneur von Texas bei einer TV-Debatte des Senders CNBC. Er kündigte an, bei seinem Einzug ins Weiße Haus drei Behörden abschaffen zu wollen: "Ich würde das Bildungsministerium abschaffen, das Handels- und ...", das dritte fiel ihm nicht mehr ein. Das Gestammel, was darauf folgte, begleitet von Gelächter im Publikum, beendete er mit einem "Oops".

Versuchte Perry seine Gedächtnislücke mit lustigen Bemerkungen in den Hintergrund zu drängen, gab er in einer anderen Debatte beim TV-Sender CNN zu erkennen, dass er keinen Spaß versteht, wenn es um den Republikaner Mitt Romney geht. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts galt bislang als Favorit auf die Rolle des Obama-Herausforderers.

Rick Perry kramte für diese Debatte in alten Schubladen und beförderte einen Vorwurf zutage, der schon im Wahlkampf 2008 eine Rolle gespielt hatte. Er beschuldigte Romney, wissentlich illegale Einwanderer beschäftigt zu haben und warf dem ehemaligen Gouverneur Scheinheiligkeit vor, wenn er sich für schärfere Einwanderungsregeln ausspreche.

Mitt Romney liegt in den Umfragen derzeit noch deutlich vor den anderen republikanischen Bewerbern. Sollten sich die internen Schlammschlachten und Peinlichkeiten fortsetzen, könnte Barack Obama der Wahl im kommenden November etwas gelassener entgegenblicken.