Technische Probleme

Chinas Cargoflug zu Raummodul „Tianhe“ verzögert

Komplikationen beim Start des Raumschiffes „Tianzhou 2“ erhöhen den Druck auf Chinas Raumfahrtprogramm. Satelliten, Raumstation sowie Rover auf Mond und Mars - die Techniker haben alle Hände voll zu tun.

Von dpa
Eine „Langer Marsch 7 Y3“-Rakete mit dem „Tianzhou 2“-Frachtraumschiff am 16. Mai 2021 am Startbereich der Wenchang Spacecraft Launch Site in der südchinesischen Provinz Hainan.
Eine „Langer Marsch 7 Y3“-Rakete mit dem „Tianzhou 2“-Frachtraumschiff am 16. Mai 2021 am Startbereich der Wenchang Spacecraft Launch Site in der südchinesischen Provinz Hainan. Guo Wenbin/Xinhua/dpa

Peking - Nach der plötzlichen Verschiebung des unbemannten Cargofluges zum Hauptteil der zukünftigen chinesischen Raumstation ist das Schicksal der Mission des Frachters „Tianzhou 2“ vorerst unklar.

Nur wenige Minuten vor dem Start war der Flug am Mittwochabend MESZ „aus technischen Gründen“ abgesagt worden. Wie Chinas Raumfahrtprogramm anschließend nur kurz mitteilte, soll über einen neuen Starttermin „später“ entschieden werden. Am Tag nach dem Rückschlag schwiegen offizielle Stellen über das weitere Vorgehen.

Mit einem neuen Versuch in dem möglichen nächsten Startfenster am Donnerstagabend MESZ (Freitagfrüh Ortszeit) wurde nicht gerechnet, da um den Raumfahrtbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan auch nicht die dafür sonst üblichen Beschränkungen für den Verkehr erlassen wurden. „Tianzhou 2“ (Himmlisches Schiff) sollte an Bord einer Rakete vom Typ „Langer Marsch 7 Y3“ starten und an das „Tianhe“ (Himmlische Harmonie) genannte Kernmodul der Raumstation andocken, um sechs Tonnen Fracht und Treibstoff automatisch zu verladen.

Es wäre das erste Andockmanöver an „Tianhe“ geworden. Der Flug ist die Voraussetzung für die - nach unbestätigten US-Berichten zumindest bisher für den 10. Juni geplante - Mission von drei Astronauten mit „Shenzhou 12“ zu dem Kernmodul. Sie sollen drei Monate bleiben. Der Frachtflug soll dafür neben Versorgungsgütern auch zwei Raumanzüge für Weltraumspaziergänge und Ausrüstung für den Bau der Raumstation transportieren. „Tianzhou 2“ soll angedockt bleiben, solange die Astronauten in dem Kernmodul leben.

Die zweistufige Trägerrakete „Langer Marsch 7 Y3“ ist in dieser Variante bereits zweimal geflogen - zuletzt vor zehn Monaten mit „Tianzhou 1“. In einer anderen Konfiguration (7A) gab es mit diesem Raketentyp im März 2020 ein Problem, als ein Satellit wegen eines Problems mit der ersten Raketenstufe nicht in die vorbestimmte Umlaufbahn gebracht werden konnte. Die 7er-Raketen gehören zu einer neuen Familie von „Langer Marsch“-Raketen, die die alten 2er, 3er und 4er Serien langsam ersetzen sollen.

Welche anderen Verzögerungen sich durch die vorerst unbestimmte Verschiebung des Fluges ergeben, ist unklar. Die Frachtmissionen mit den „Tianzhou“-Raumschiffen sind wichtiger Teil der Pläne für den Bau der Raumstation, die bis Ende nächsten Jahres fertiggestellt werden soll. Wegen anfänglicher Probleme mit dem besonders leistungsfähigen neuen Raketentyp „Langer Marsch 5B“ ist das Flugprogramm dafür ohnehin längst dichter gedrängt als vor Jahren noch vorgesehen.

Verantwortliche hatten vorher schon zu erkennen gegeben, dass der Druck groß ist, damit bei so vielen Flügen nichts schief geht. So soll nach dem Flug der drei Astronauten im Juni schon im September eine weitere Frachtmission starten. Im Oktober sollen drei weitere Astronauten folgen. Nächstes Jahr sollen zwei jeweils gut 20 Tonnen schwere Labormodule ins All gebracht werden, die T-förmig an das Kernmodul anmontiert werden. 2022 sind zusätzlich zwei Frachtflüge sowie zwei bemannte Missionen geplant.

Klappt alles mit dem Bau der Raumstation, wäre China die einzige Nation, die noch einen ständigen Außenposten im All betreibt, wenn die internationale Raumstation ISS in den nächsten Jahren wie geplant ihren Dienst einstellen wird. China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm. Erst am Samstag war eine erfolgreiche Landung auf dem Mars gelungen, wo ein Rover zum Einsatz kam und schon erste Bilder schickte. Am Mittwoch wurde ein weiterer Satellit zur Meeresbeobachtung ins All gebracht. Auch betreibt China einen Rover auf der erdabgewandten Seite des Mondes.