Deutsche Bank

Der Sanierer greift hart durch

Nach diversen Skandalen und einem Rekordverlust von sechs Milliarden Euro zieht John Cryan bei der Deutschen Bank die Notbremse.

Magdeburg/Frankfurt l Manipulierte Referenzzinsen, krumme Hypothekengeschäfte, die Pleite des Kirchkonzerns – die Deutsche Bank ist zuletzt von einer ganzen Reihe von internationalen Skandalen erschüttert worden und hat schwer mit den Folgen zu kämpfen, zumal auch die üblichen Geschäfte schwach laufen. Nach einem Rekordverlust von 6,013 Milliarden Euro im dritten Quartal 2015 hat Co-Vorstandschef John Cryan am Donnerstag nun einen radikalen Umbau der Bank angekündigt.

Er will „eine bessere Deutsche Bank schaffen“, sagte Cryan zunächst, um dann bittere Einschnitte zu verkünden. 9000 Jobs, 4000 davon in Deutschland, fallen weg. Weitere 6000 Stellen sollen bei externen Dienstleistern gestrichen werden. Bis 2018 will Cryan auf die Weise 3,8 Milliarden Euro einsparen, der Personalbestand soll künftig nur noch 77 000 Vollzeitkräfte umfassen.

Mit dem Kahlschlag einher geht die Schließung von bundesweit 200 Filialen, rund 500 sollen bestehen bleiben. „Dies ist nie eine einfache Aufgabe und wir tun dies auch nicht leichten Herzens“, sagte Cryan. Einschnitte soll es zudem bei den Auslandsgeschäften geben. Die Bank will sich aus zehn Ländern sogar vollständig zurückziehen, unter anderem aus Dänemark, Norwegen, Mexiko, Argentinien und Neuseeland.

Mit dem Sparkurs macht John Cryan seinem Ruf als effizienter Banker alle Ehre. Erst seit Juli steht der 54-jährige Brite mit Co-Chef Jürgen Fitschen an der Spitze von Deutschlands größtem Kreditinstitut, ab Mai 2016 soll Cryan die Bank alleine weiterführen.

Die folgen des Sparprogramms für Sachsen-Anhalt sind derweil noch unklar. „Welche Filialen zusammengelegt oder geschlossen werden, teilen wir zu gegebener Zeit mit“, erklärte ein Sprecher der Bank auf Volksstimme-Anfrage. Zunächst müssten die Details der Sparpläne mit den Arbeitnehmervertretern ausgehandelt werden.

Die 15 Bankfilialen in Sachsen-Anhalt zählen zum Vertriebsnetzwerk Brandenburg-West/Sachsen-Anhalt mit insgesamt 167 Beschäftigten. Es betreut derzeit 146 000 Privat- und Geschäftskunden, 31 500 im Großraum Magdeburg. Wie die Volksstimme erfuhr, soll es dieses Vertriebsnetz künftig nicht mehr geben, die Bank will alle Filialen in Ostdeutschland in einem größeren Netzwerk zusammenfassen.

Die Bank hat zwar angekündigt, dass sie in der Fläche vertreten bleiben will, doch vom Aus bedroht dürften zumindest in Sachsen-Anhalt eher die kleineren Standorte sein. Die Bank ist nicht nur in Magdeburg, Halle, Stendal und Dessau präsent, sie unterhält auch noch kleine Filialen unter anderem in Burg, Haldensleben und Schönebeck.