Delegationsreise

Kuba lockt Investoren - und lässt sie warten

Wirtschaftsminister Gabriel reist auf die Karibikinsel Kuba. Doch wie viel Kapitalismus lassen die Castros zu?

Von Von Isaac Risco

Havanna (dpa) l Im fünften Stock des Art-déco-Hauses in Havanna ist noch nicht viel Betrieb. Das Gebäude hat schon bessere Tage erlebt – in der einstigen Firmenzentrale des früheren kubanischen Rumherstellers und heutigen Weltkonzerns Bacardí bröckelt an einigen Stellen der Putz von den Wänden. Der neue Mieter, das deutsche Beratungs- und Wirtschaftsprüf-Unternehmen Rödl & Partner, hofft aber bald auf gute Geschäfte in dem sozialistischen Karibikstaat.

Die Berater setzen auf das wachsende Interesse für den sich öffnenden kubanischen Markt – auch in Deutschland. Denn auf Kuba herrscht gerade Aufbruchstimmung. Die Wende in den Beziehungen mit den USA vor einem Jahr lockt nicht nur amerikanische Firmen auf die Insel, sondern lässt auch Europäer aufhorchen. Seit Jahren wagt Kuba Stück für Stück immer mehr Kapitalismus – nun scheinen mit der Annäherung an Washington auch die politischen Signale zu stimmen.

Mit Sigmar Gabriel reiste am Mittwoch erstmals seit 15 Jahren ein deutscher Wirtschaftsminister auf die Karibikinsel. Er wolle mit seinem 51-Stunden-Besuch den „vorsichtigen Öffnungsprozess Kubas“ bestärken, sagt der SPD-Chef vor dem Abflug. Und zugleich deutschen Firmen helfen, von dieser Öffnung zu profitieren.

Rödl & Partner aus Nürnberg glaubt, mit seiner Erfahrung am richtigen Ort zu sein. Das Unternehmen arbeitete nach dem Fall der Mauer jahrelang in Staaten des ehemaligen Ostblocks, erklärt Andreas Voß, der Leiter der neuen Niederlassung in der kubanischen Hauptstadt. Man kenne also die Herausforderungen in einem Land, das gerade auf die freie Marktwirtschaft umstelle. „Unsere Kunden sind der deutsche Mittelstand“, sagt Voß.

Bei ausländischen Investoren ist Kuba seit Jahren vor allem im Tourismussektor beliebt. Die allmähliche Öffnung biete nun weitere Chancen, etwa im Bauwesen oder im Infrastrukturbereich, glaubt Voß. Nach Jahrzehnten der Verwahrlosung besteht in dem Land ein immenser Nachholbedarf. Hoffnungen setzt Voß auch auf den Bereich der erneuerbaren Energien. Auch Dutzende US-Firmenvertreter sind seit dem Ende der Eiszeit zwischen Washington und Havanna im Dezember 2014 in das Land gereist. Die Insel kann seit langem ihren eigenen Lebensmittelbedarf kaum abdecken. Reis und Bohnen etwa werden oft teuer aus Brasilien oder Asien importiert.

Trotz des großen Interesses aus dem Ausland ist noch nicht viel passiert auf Kuba. Große Investitionen werden nur zögerlich und oft mit massiven Auflagen zugelassen. Im Land tätige Auslandsunternehmen dürfen beispielsweise ihr örtliches Personal nicht direkt einstellen - dies erfolgt nur über den kubanischen Staat, der einen beträchtlichen Anteil der bezahlten Löhne für diese Vermittlung einkassiert.

Auch in der vor zwei Jahren mit großen Erwartungen aus der Taufe gehobenen Sonderwirtschaftszone von Mariel geht es nur langsam voran. Erst eine Handvoll ausländischer Firmen hat sich in der rund 40 Kilometer westlich von Havanna gelegenen Hafengemeinde niedergelassen. Zu viel Bürokratie, zu viele Auflagen, beschweren sich viele Interessenten hinter vorgehaltener Hand.