Landwirtschaft

Mit dem Bauern durch das Jahr

Die Volksstimme wird die Mitarbeiter der Agrargenossenschaft Uchtdorf durch das Jahr begleiten. Heute wird der Betrieb vorgestellt.

Von Rudi-Michael Wienecke

Uchtdorf  Es ist ein klassischer konventioneller Landwirtschaftsbetrieb, den der diplomierte Landwirt Mathias März leitet. Hier im Süden des Landkreises Stendal hat man sich nicht spezialisiert, man betreibt noch Ackerbau und Viehzucht. 16 Mitarbeiter und vier Auszubildende bewirtschaften gut 850 Hektar in der Uchtdorfer Gemarkung und teilweise in den benachbarten Fluren. Sie betreuen 130 Milchkühe und deren Nachzucht sowie 500 Sauen und deren Ferkel. Eine Biogas- sowie eine Photovoltaikanlage werden ebenfalls von der Agrargenossenschaft, die sich im Eigentum von 15 Mitgliedern befindet, betrieben.

Während die Kollegen in der benachbarten Börde auf den besten Böden Deutschlands wirtschaften, bauen die Uchtdorfer ihre Feldfrüchte auf sandigem Lehm mit einer durchschnittlichen Bodenwertszahl von 30 an. Hier wachsen auf rund 679 Hektar Ackerland überwiegend Roggen, gefolgt von Gerste, Raps und ein wenig Weizen. Es dominiert allerdings der Mais. 30 Prozent davon werden als Viehfutter benötigt, 70 Prozent frisst die Biogasanlage, in der auch die Gülle verheizt wird.

Die Genossenschaft ist nur Betreiber dieser Anlage, nicht deren Eigentümer. Trotzdem rechnet sich das Geschäft, denn für den Mais wurde ein Festpreis vereinbart. Der 39-jährige März, der vor sechs Jahren den Vorstandsvorsitz von seinem Vater übernahm, hätte die Biogasproduktion aber gern komplett in seiner Hand. „Dann könnten wir die Anlage auch mit Gras und Mist beschicken, woran der Eigentümer bisher kein Interesse hat“, begründet er.

Gras wächst in der Gemarkung auf rund 174 Hektar Grünland nämlich genug. Überwiegend wird des siliert und verfüttert. Nur ein geringer Teil wird von den Färsen beweidet. Die Milchkühe stehen ganzjährig im Stall auf Stroh. Das ist nötig, um über das Futter so viel Energie zuzuführen, dass die Herde eine durchschnittliche Leistung von 8600 Kilogramm Milch pro Kuh und Jahr liefert. Die Ration wird wie für Hochleistungssportler genau errechnet.

Seit mehr als einem Jahr ist die Milcherzeugung allerdings ein Zuschussgeschäft. Die Uchtdorfer erhalten aktuell einen Basispreis von 28 Cent je Kilogramm, „45 Cent brauchen wir, wenn wir nach der Abschreibung noch Gewinn machen wollen“, rechnet März vor. Wenn die Melker also morgens um 4.30 Uhr mit ihrer Arbeit beginnen, „tragen sie bares Geld in den Stall“.

Konnten früher Durststrecken dieser Art mit den Erlösen aus anderen Betriebszweigen kompensiert werden, ist das aktuell nicht möglich. Die im Sommer und Herbst eingefahrene Ernte war aufgrund der Witterung in Menge und Qualität eher mäßig, entsprechend auch der Preis. Die Ferkelerzeugung ist für die Uchtdorfer seit Oktober 2014 ebenfalls ein „teures Hobby“. „55 Euro bräuchten wir für ein 25 Kilo schweres Ferkel, 30 Euro bekommen wir derzeit nur als Basispreis“, klagt März. Die 36 000 Euro pro Jahr aus dem Stromverkauf aus der Photovoltaikanlage reichen gerade einmal, um ein Quartal lang das Minus der Schweineproduktion abzufangen.

Wie alle seine milchvieh- und schweinehaltenden Kollegen sieht März auch kein Licht am Ende des Tunnels. Eine Markterholung ist nicht in Sicht und die Einsparpotenziale sind ausgereizt. Momentan hält sich die Agrargenossenschaft Uchtdorf mit Liquiditätskrediten über Wasser. Nur noch bis Mitte des Jahres können unter diesen Bedingungen alle Betriebszweige erhalten werden, in Erwartung „einer fantastischen Ente mit Preisen jenseits von Gut und Böse.“

Trotz aller Schwierigkeiten ist Mathias März mit Leib und Seele Landwirt. „Ich sehe wie Leben entsteht, verfolge das Wachsen der Pflanzen, sehe Ferkel und Kälber heranwachsen. Es ist die Arbeit mit den Tieren, die Spaß macht. Habe ich die Nase voll, gehe ich in den Stall. Tiere sind ehrlich, die gaukeln uns nichts vor.“

Um so mehr schmerze es, wenn die Arbeit der Landwirte nicht nur nicht honoriert, sondern wenn sie in der Öffentlichkeit auch noch in ein schlechtes Licht gerückt wird. „Wir wehren uns nicht gegen Tierschutz. Die Diskusion muss aber sachlich von Fachleuten geführt werden.“