Neuer Regierungssprecher

ZDF-Mann Seibert soll Merkel aus dem Tief helfen

Von Basil Wegener

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist fündig geworden. Mit Steffen Seibert präsentiert die Regierung ein prominentes Gesicht als Nachfolger von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Der Moderator des ZDF-"heute journals" könnte das Zeug dazu haben, das Image von Schwarz-Gelb aufzupolieren. So ruckelig sich Schwarz-Gelb präsentiert, so elegant wirkt der Anchorman. Frisch und unverbraucht erscheint Seibert, seine 50 Jahre sieht man ihm nicht an.

Kürzlich noch versicherte die Kanzlerin, über Wilhelms Nachfolge sei noch nicht entschieden. Bereits im Mai hatte sich der Chef des Bundespresseamtes im Rundfunkrat als künftiger Intendant des Bayerischen Rundfunks durchgesetzt.

Kurz zuvor war Seibert der Kanzlerin aufgefallen, als er im Kanzleramt eine Konferenz zur Elektromobilität moderierte. Merkel dankte ihm damals ausdrücklich für seine Worte. Über die Personalie entschied sie nun im Stillen.

Seit seinem Volontariat vor 22 Jahren ist Seibert beim ZDF. Der bekennende Wechselwähler moderierte an verschiedensten Sendeplätzen, war Korrespondent in Washington, wurde für seine Moderation am 11. September 2001 nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York ausgezeichnet, präsentiert seit 2003 die 19-Uhr-Nachrichten im ZDF, seit 2007 auch das "heute journal". An Wahlabenden ist Seibert als präziser Zahlendeuter Dauergast im Wohnzimmer der Zuschauer.

In München geboren und in Hannover aufgewachsen, hat sich Seibert in den vergangenen Jahren in einigen Bereichen deutlich verortet. Vor Jahren trat er als Protestant zum Katholizismus über. Er war als Repräsentant von UNICEF auf Reisen und ist – selbst Vater eines frühgeborenen Kindes – Schirmherr des entsprechenden Verbands.

Dass der Vater von drei Kindern nach Amtsantritt am 11. August noch viel Zeit für die Familie hat, darf bezweifelt werden. Er wird Missionar von Merkels Politik, begleitet die Kanzlerin im In- und Ausland – ein 16-Stunden-Arbeitstag dürfte eher die Regel als die Ausnahme werden.

Vor allem kann ein Regierungssprecher nur die Politik vermitteln, auf die sich eine Koalition verständigt. Klaus Bölling, der das Amt unter Helmut Schmidt ausübte, schreibt in einem Zeitungsbeitrag: "Der Glorienschein der Angela Merkel ist nun sehr verblasst. Da ist der ¿Verkäufer‘ machtlos." (dpa)