"Fleischermord-Prozess" Von Bernd Kaufholz

Zwei Pole

Wann ist ein Urteil gerecht? Wenn das Rachebedürfnis der Volksseele befriedigt ist oder wenn eine mit fünf Richtern besetzte Große Strafkammer nach gründlicher Beweiswürdigung zu einer Entscheidung gekommen ist?

Zwischen diesen beiden Polen – die wohl ewig Welten trennen werden – bewegt sich auch die Bewertung der Entscheidung im "Fleischermordprozess". Für die einen ist sie der Tat in keiner Weise angemessen. Für die anderen ist es ein Urteil mit Augenmaß, bei dem es sich die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Magdeburg nicht leicht gemacht hat. Und wenn selbst die Ehefrau des erschlagenen Maik Maletzki – zwar mit sichtlicher Überwindung, aber bestimmt – meint, dass sie "erst mal zufrieden" mit dem Spruch ist, dürfte das für das Urteil sprechen.

Wer lieber eine lebenslange Haftstrafe gesehen hätte, muss sich (erst einmal) damit abfinden, dass die drei Brüder zwar getötet haben, es jedoch keinen triftigen Beweis dafür gibt, dass sie die Tötung geplant hatten. Doch nur das darf der Maßstab für ein Mordurteil sein. Ob der Bundesgerichtshof ebenfalls keine Mord-Indizien sieht, wird die Revision zeigen.(Seite 1)