Madrid (dpa) l Riesiger Andrang, Dutzende Kameras, gestresste Türsteher: Auf der UN-Klimakonferenz in Madrid ist die Aktivistin Greta Thunberg mit großem Rummel empfangen worden. Die Schwedin nutzte die Aufmerksamkeit am Montag aber vor allem, um anderen Gehör zu verschaffen. Sechs junge Menschen von den Marshallinseln, den Philippinen, aus Uganda und weiteren Ländern berichteten stattdessen von den bedrohlichen Folgen des Klimawandels für ihre Heimat. Unterdessen rangen Fachleute aus knapp 200 Staaten um Regeln, nach denen Staaten beim Klimaschutz zusammenarbeiten sollen. Beobachter zeigten sich besorgt – und setzen auf das Eingreifen der Minister.

"Wir haben bemerkt, dass wir einige Medienaufmerksamkeit bekommen", sagte Thunberg, die gemeinsam mit ihrer deutschen Mitstreiterin Luisa Neubauer eingeladen hatte. Nicht ihre Geschichte müsse erzählt und gehört werden, sondern vor allem die der Menschen im globalen Süden. "Denn der Klimanotfall ist nicht nur etwas, das uns in der Zukunft betrifft", sagte sie. "Er betrifft schon heute zahllose Menschen." Die junge Aktivisten berichteten von Überschwemmungen, Dürren, Überfischung und Krankheiten in ihren Heimatländern. Wissenschaftlern zufolge wächst das Risiko solcher extremen Wetterereignisse mit dem Klimawandel stark.

Mit den Fortschritten der Klimakonferenz dürften die jungen Leute von Fridays for Future bisher kaum zufrieden sein. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth warnte vor überzogenen Erwartungen. Viele rechneten damit, dass Staaten schon jetzt ehrgeizigere nationalen Pläne zum Einsparen von Treibhausgasen vorlegten. "Das ist aber nicht wirklich auf der Agenda", sagte er. Der Zeitplan sehe vor, das zum nächsten Klimagipfel im nächsten Jahr in Glasgow zu machen.

Ziel der Konferenz ist unter anderem, letzte Lücken im Regelwerk zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu schließen – mit diesem Abkommen soll die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden. Konkret geht es um Marktmechanismen, nach denen Länder beim Klimaschutz zusammenarbeiten können sollen – so dass ein Land, aber auch Städte oder Unternehmen sich Treibhausgas-Minderungen anrechnen können, die es in einem anderen Land finanzieren.

Beobachter kommentierten die Verhandlungen besorgt. Es sei völlig unklar, ob die Länder sich einigten, sagte Klimaexpertin Ann-Kathrin Schneider vom BUND der dpa. Die Gefahr bestünde, dass Länder die Regeln nutzen könnten, um weniger Klimaschutz zu Hause zu machen. (dpa)