Singapur (dpa) l US-Präsident Donald Trump hat sich nach eigenen Worten mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un auf erste Schritte zur atomaren Abrüstung verständigt. Diese werde "sehr, sehr schnell beginnen", sagte Trump bei der Unterzeichnung eines gemeinsamen Dokuments mit Kim am Dienstag in Singapur.

Genauere Angaben machte zunächst keine der beteiligten Seiten. Trump kündigte an, er wolle Kim zu weiteren Gesprächen ins Weiße Haus nach Washington einladen. Eine ähnliche Andeutung hatte der US-Präsident der bereits vor wenigen Tagen gemacht.

Trump sagte: "Wir unterzeichnen ein sehr wichtiges Dokument, eine ziemlich umfassende Vereinbarung." Er fügte hinzu: "Wir sind sehr stolz darauf, was heute passiert ist."

"Die Welt wird einen großen Wandel erleben", versprach Kim. "Wir haben beschlossen, die Vergangenheit hinter uns zu lassen."

Trump und Kim hatten sich in Singapur zum ersten gemeinsamen Gipfel in der Geschichte der USA und Nordkorea getroffen. Dabei ging es um die atomare Abrüstung Nordkoreas, Sicherheit und Frieden auf der koreanischen Halbinsel sowie Wirtschaftshilfe für das international isolierte kommunistische Land.

"Es ist besser gelaufen, als irgendjemand erwarten konnte", sagte der US-Präsident. Er nannte die Gespräche "wirklich sehr positiv".

Nach einem historischen Handschlag und dem ersten Zusammentreffen eines im Amt befindlichen US-Präsidenten mit einem Machthaber Nordkoreas überhaupt hatte er mit Kim zunächst 38 Minuten lang ohne die Unterstützung von Beratern gesprochen. Später kamen auf beiden Seiten weitere Verhandler hinzu.

Unterredung in Bücherei

Zum Auftakt machte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un deutlich, ein neues Kapitel in den angespannten Beziehungen zu den USA aufschlagen zu wollen. "Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier", sagte Kim vor laufenden Kameras, als sie sich zu einer persönlichen Unterredung in der Bücherei des Hotels niederließen.

Atomare Abrüstung unklar

Nach der ersten Unterredung über 38 Minuten kamen beide in größerer Runde auch mit Außenminister Mike Pompeo und anderen zusammen. Unterhändler hatten bis zur letzten Minute um mögliche Vereinbarungen gerungen. Der erste Gipfel beider Länder wird von großen Hoffnungen begleitet. Der Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ist einer der gefährlichsten Konflikte der Welt. Laut Kim können nordkoreanische Atomraketen das US-Festland treffen.

Wütender Tweet von Trump

In einem wütenden Tweet hatte Trump am frühen Morgen seine Kritiker zurechtgewiesen. "Wir haben unsere Geiseln (zurück), die Tests, die Forschung und alle Raketenabschüsse sind gestoppt", schrieb Trump. "Und diese Experten, die mir von Anfang an Fehler vorwarfen, haben nichts anderes zu sagen", fuhr er fort. "Wir werden okay sein." Mit dem Hinweis auf die Geiseln bezog sich Trump auf drei US-Bürger, die im Mai aus der Haft in Nordkorea freigelassen worden waren.

In US-Medien waren zuvor Zweifel aufgekommen, ob die USA bei dem Gipfel mit Kim entscheidende Fortschritte erzielen können. Während das Weiße Haus verbreitete, die Vorgespräche liefen besser als erwartet, wurde spekuliert, die USA könnten bei den Nordkoreanern gegen eine Wand laufen. Trump hatte am Vortag erklärt, er werde bereits am Dienstagabend nach dem Gipfel wieder nach Hause fliegen. In früheren Planungen war von Mittwoch die Rede gewesen. 

"Eine vollständige, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel ist das einzige Ergebnis, das die USA akzeptieren werden", gab Außenminister Mike Pompeo als Messlatte vor. "Wenn sich die Diplomatie nicht in die richtige Richtung bewegt, werden die Sanktionen verschärft." Nach dem Eklat am Wochenende auf dem Gipfel der sieben großen Industrienationen (G7) in Kanada stand Trump zusätzlich unter Druck, einen Erfolg zu erreichen.

Friedenslösung angestrebt

Nie zuvor ist ein amtierender amerikanischer Präsident mit einem Führer des isolierten Landes zusammengetroffen. Mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Korea-Kriegs 1953 streben beide Seiten als Grundlage für die atomare Abrüstung auch eine Friedenslösung an. Damals wurde nur ein Waffenstillstandsabkommen besiegelt. Insbesondere Nordkorea wünscht sich vertragliche Vereinbarungen, dass die Führung in Pjöngjang nicht durch einen Angriff gestürzt wird.

Nordkorea hofft auf weniger Sanktionen

Nordkoreas Machthaber sucht außer starken Sicherheitsgarantien eine Aufhebung der scharfen Sanktionen, die die Vereinten Nationen und auch die USA auch einseitig als Reaktion auf seine Atom- und Raketentests verhängt haben. In einem Entgegenkommen hatte Kim im April einen Atom- und Raketenteststopp erklärt und verkündet, sich künftig auf die Wirtschaftsentwicklung konzentrieren zu wollen.

Politisch will Nordkorea diplomatische Beziehungen zu den USA. Auf dem Gipfel könnte eventuell verkündet werden, dass die USA als ersten Schritt zunächst eine Vertretung in Pjöngjang einrichten könnte. Da der Kriegszustand seit dem Ende des Koreakrieges 1953 völkerrechtlich nie beendet wurde, wäre ein Friedensvertrag nötig, um die Sicherheitsbedürfnisse zu befriedigen. Nordkorea schlägt zur Lösung des Atomkonflikts ein "synchrones" und "phasenweises" Vorgehen vor.

Langstreckenraketen sollen weg

Den USA geht es auch darum, dass Pjöngjang seine Langstreckenraketen sowie jene Raketen mit kürzerer Reichweite beseitigt, die zwar nicht die USA, aber Südkorea oder Nachbarn wie Japan treffen können.