Washington/Madrid/Rom/London/Paris (dpa) l US-Präsident Donald Trump möchte die USA schnellstmöglich wieder in den Normalbetrieb versetzen. In Spanien dürfen Hunderttausende Menschen wieder zur Arbeit gehen. Und auch in Italien – einem der am schwersten von der Covid-19-Pandemie getroffenen Länder – verlangsamt sich die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2. Großbritannien ist indes noch nicht über den Berg. Auch in Frankreich bleibt die Lage angespannt. Angesichts der wirtschaftlichen Verluste ist die Versuchung groß, Beschränkungen des öffentlichen Lebens zurückzufahren.

 

l USA: Das öffentliche Leben in den USA steht wegen der Krise in weiten Teilen still, was der Wirtschaft extrem zu schaffen macht. Ursprünglich hatte Trump eine Rückkehr zur Normalität schon für diese Tage, zu Ostern, in Aussicht gestellt. Aber dann traf die Covid-19-Pandemie die USA mit voller Wucht, täglich gibt es seither traurige Rekorde. Die USA haben inzwischen in absoluten Zahlen weltweit die meisten Toten durch die Corona-Epidemie zu verzeichnen: Mehr als 22 000 Menschen starben bis zum Ostermontag im Zusammenhang mit dem Virus.

 

l SPANIEN: In Spanien durften Hunderttausende Menschen erstmals nach zwei Wochen wieder zur Arbeit fahren. Der sogenannte Winterschlaf, mit dem die linke Regierung den Kampf gegen die Corona-Pandemie intensiviert hatte, ging in Madrid und einigen Regionen des Landes zu Ende, in denen der Ostermontag kein Feiertag ist. In der Hauptstadt fuhren nach Medienschätzungen rund 300 000 Menschen wieder zur Arbeit. In vielen anderen Regionen wie Katalonien, Valencia, den Balearen oder dem Baskenland war aber Feiertag. Von der umstrittenen Verschärfung der Ausgangssperre waren vor allem das Baugewerbe und weite Teile der Industrie betroffen. Die strenge Ausgangssperre, die noch bis mindestens Mitternacht am 25. April gilt, bleibt aber ansonsten bestehen. Privat dürfen die Menschen seit Mitte März nur noch zum Einkaufen und in Sonderfällen vor die Tür. Ministerpräsident Pedro Sánchez mahnte am Sonntag: „Ich will mich sehr deutlich ausdrücken: Wir sind nicht einmal am Beginn einer zweiten Phase.

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Erste Lockerungen wird es frühestens in zwei Wochen geben. Und die werden schrittweise und vorsichtig sein“, sagte der Regierungschef in einer Rede an die Nation. Die positive Tendenz im Kampf gegen das Virus hielt derweil auch über Ostern an. Mit knapp 3500 Neuinfektionen binnen 24 Stunden wurde am Montag die niedrigste Zahl seit dem 20. März verzeichnet. Spanien hat nun insgesamt rund 170 000 Infizierte.

l ITALIEN: Einen Hoffnungsschimmer gab es auch aus Italien, wo am Ostersonntag 431 Corona-Tote binnen 24 Stunden registriert wurden. So niedrig war der Anstieg seit längerem nicht gewesen. Insgesamt starben in dem Land seit Februar 19 899 Menschen im Zusammenhang mit der Covid-19-Krankheit, wie der Zivilschutz mitteilte. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg moderat auf 156 363 Fälle (plus gut 4000). In Italien gilt ein strenges Maßnahmenpaket im Kampf gegen die Corona-Krise mit Ausgangsverboten und Betriebsschließungen noch bis zum 3. Mai.

 

l GROSSBRITANNIEN: Von einem „düsteren Tag“ sprach der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Die Corona-Todeszahlen hatten am Wochenende die 10 000er-Marke übersprungen. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer, da vor allem viele Opfer in Seniorenheimen noch nicht erfasst sind. Viele Experten fürchten, dass das Gesundheitssystem der Krise nicht standhalten werde und Großbritannien schon bald das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa sein könnte.

 

l FRANKREICH: Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beginnen in Frankreich Wirkung zu zeigen, dennoch bleibt die Lage ernst. Fast 14 400 Menschen sind an den Folgen von Covid-19 verstorben, wie das Gesundheitsministerium am Sonntagabend in Paris mitteilte. Wenigstens sank am vierten Tag in Folge die Zahl der Menschen, die auf der Intensivstation behandelt werden, leicht. „Diese Daten bestätigen, dass die Epidemie in unserem Land in dynamischer Weise weitergeht und es weiterhin hart trifft“, so das Gesundheitsministerium. Man beobachte den Beginn „eines sehr hohen Plateaus“, müsse aber wachsam bleiben. Am Montagabend wollte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erneut mit einer Rede an seine Landsleute wenden. Es wird erwartet, dass der Präsident die Dauer der Verlängerung der strengen Ausgangsbeschränkungen verkünden wird. Das „Journal du Dimanche“ schrieb, dass sogar eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkung bis Mitte oder Ende Mai möglich sei. Die Regelungen gelten in Frankreich seit dem 17. März. Das Haus dürfen die Menschen nur für notwendige Dinge wie Einkaufen verlassen, Spazieren gehen oder Sport ist nur eine Stunde pro Tag im Umkreis von einem Kilometer zur Wohnung erlaubt.

 

l RUSSLAND: Moskaus Behörden haben einen elektronischen Passierschein eingeführt, um die Bewegungen der Menschen während der Corona-Krise zu überwachen. Eine entsprechende Website zur Beantragung der Pässe wurde am Montag freigeschaltet. Das System soll dann ab Mittwoch einsatzbereit sein. Einen Passierschein brauchen alle Bürger, die mit dem Auto oder dem Nahverkehr während der verhängten Ausgangsbeschränkungen unterwegs sind. Insgesamt haben sich in Russland nach offiziellen Angaben bislang 15 770 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt, 130 Todesfälle wurden gemeldet. Experten vermuten jedoch, dass die tatsächlichen Zahlen weitaus höher liegen.