Rust/Vatikanstadt (dpa) l Sie beschützen den Papst und sind mit ihren Uniformen beliebtes Fotomotiv bei Touristen auf dem Petersplatz. Und sie bilden mit 150 Mann die kleinste Armee der Welt.

„Wir betreten Neuland“, sagt der Kommandant der Garde, Christoph Graf. Denn die Schutztruppe des Heiligen Vaters hat Mühe, Nachwuchskräfte zu finden. Das Terrain ist ungewohnt für die Leibgarde. Deutschlands größter Freizeitpark, der Europa-Park in Rust bei Freiburg, ist Ort des diesjährigen Betriebsausflugs der Garde. „Der Spaß steht im Vordergrund“, sagt der Schweizer Pfarrer Ernst Heller. Diese erkunden in ziviler Kleidung und unerkannt den Vergnügungspark. Damit Papst Franziskus nicht ohne Schutz ist, sind jeweils nur 50 der 150 Truppenmitglieder auf Exkursion.

Garde ohne Nachwuchs

Die anderen bleiben in Rom. Anschließend ist Wechsel. Der 57 Jahre alte Graf aus dem Schweizer Kanton Luzern ist seit 32 Jahren bei der Garde, seit knapp viereinhalb Jahren ist er deren 35. Chef. Dass die militärisch organisierte Einheit über sich selbst spricht, ist ungewohnt. „Wir machen nun Marketing – erstmals seit unserer Gründung“, sagt der Kommandant. Denn die Truppe, zu der nur katholische Männer aus der Schweiz dürfen, hat Nachwuchssorgen.

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„Die gute Wirtschaftslage, geburtenschwache Jahrgänge, die geringer werdende Bedeutung des Glaubens führen dazu, dass junge Leute fehlen“, sagt Graf. Bewerberzahlen gingen seit Jahren zurück. Statt beim Papst suchten Schulabgänger lieber Jobs in der Wirtschaft.

Graf versucht, gegenzusteuern. Werbevideos im Internet und Workshops sollen junge Menschen ansprechen. „Wir werden das weiter ausbauen.“ Zudem wurde die seit Jahrhunderten verbindlich geltende Mindestgröße für Gardisten von 1,74 Metern in eine Richtgröße umgewandelt. „Hatten wir einen Bewerber mit 1,72 Meter Körpergröße, mussten wir ihn abweisen. Schade“, sagt Graf. Nun würden auch kleinere Männer zugelassen.

1,72 Meter ist in Ordnung

Die weiteren Vorgaben bleiben vorerst. Wer als Schutzmann in den Vatikan möchte, muss Schweizer sein, den Militärdienst absolviert und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur haben. Und er braucht einen Leumund, den der örtliche Pfarrer bestätigen muss. Heiraten und Kinder haben dürfen Gardisten.

Die Uniformen, oft mit Schwert und auch mit Helm, sind das Markenzeichen – doch im Dienst nicht immer praktisch, sagt der Kommandant. Die Garde hat als Alternative jetzt eine Einsatzuniform geschaffen, die weniger prächtig, dafür aber praxistauglicher ist. „Mit gewöhnlichen Berufen ist der Dienst nicht zu vergleichen“, erzählt einer der Männer. Eine Lebensaufgabe ist der Job als Gardist nicht, sagt Kommandant Graf. Ein Drittel verlasse die Truppe jedes Jahr. Lediglich die rund 30 bis 35 Spezialkräfte, die zivil Personenschutz machen, sowie Führungskräfte seien länger im Dienst. Die Suche nach neuen Gardisten sei daher bleibende Aufgabe.