Jerusalem (dpa) l Nach blutigen Unruhen hat Israel die umstrittenen Metalldetektoren an Zugängen zum Tempelberg in Jerusalem wieder entfernt. Polizisten hätten nach einer Entscheidung des israelischen Sicherheitskabinetts die Tore im Verlauf der Nacht zum Dienstag abgebaut, bestätigte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Vorausgegangen waren Proteste der Palästinenser und internationale Vermittlungsbemühungen. Die Palästinenser reagierten zunächst skeptisch. Der Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Edles Heiligtum) in der Altstadt von Jerusalem ist Juden wie Muslimen heilig.

Israelische Medien berichteten, auch neu angebrachte Überwachungskameras an Eingängen zum Tempelberg seien abmontiert worden. Stattdessen sollten künftig andere hochmoderne Überwachungsmethoden eingesetzt werden, teilte die Regierung mit. Laut Medienberichten soll es sich unter anderem um Kameras zur Gesichtserkennung handeln.

Die Palästinenser wollen ihren Boykott des Tempelbergs jedoch vorerst aufrechterhalten. Muslimische Repräsentanten in Jerusalem bekräftigten nach einer Dringlichkeitsberatung ihre Forderung nach einer vollständigen Rückkehr zu der Situation vor dem 14. Juli an der heiligen Stätte. An diesem Tag hatten arabische Attentäter zwei israelische Polizisten getötet. Israel verschärfte daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen.

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Behörde soll Abbau überprüfen

Die für den Tempelberg zuständige Wakf-Behörde solle überprüfen, ob die Sicherheitsmaßnahmen innerhalb und außerhalb der Stätte tatsächlich abgebaut worden seien. Anschließend solle die Wakf einen Bericht vorlegen, teilten sie am Dienstag mit. Danach wolle man neu entscheiden, ob der Boykott beendet werden könne.

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Juden ist der Ort ebenfalls heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest dieser Tempelanlage.

Die Palästinenser lehnen jegliche Änderung des Status quo an der heiligen Stätte ab, das heißt, sie beharren auf einen freien Zugang zu ihren Gebetsstätten auf dem Tempelberg ohne zusätzliche Kontrollen und Überwachung.

Vier Palästinenser getötet

Die Aufstellung der Metalldetektoren hatte Palästinenser und Teile der muslimischen Welt in Wut versetzt und Unruhen ausgelöst, bei denen vier Palästinenser getötet wurden. Bei einem Anschlag wurden danach drei Mitglieder einer israelischen Siedlerfamilie von einem Palästinenser getötet.

Der jordanische König Abdullah II. hatte Netanjahu am Montag gedrängt, die Detektoren abzubauen und so die Krise zu beenden. Ebenfalls am Montag war ein bei einem tödlichen Zwischenfall auf dem Gelände der israelischen Botschaft in Amman verletzter Wachmann nach Israel zurückgekehrt.

Ein jordanischer Arbeiter hatte den Wachmann am Sonntag in einer Wohnanlage neben der Botschaft mit einem Schraubenzieher angegriffen und verletzt. Der Israeli hatte daraufhin laut israelischen Angaben in Selbstverteidigung den Angreifer erschossen und auch den unbeteiligten jordanischen Vermieter versehentlich tödlich verletzt. Der Vorfall hat die Beziehungen zwischen Israel und Jordanien stark belastet.