Los Angeles (dpa) l Während die zerstörerischen Brände in Kalifornien weiter lodern, wird bereits das Ausmaß der Katastrophe deutlich: In Paradise im Norden des Staates gelang vielen Menschen die Flucht aus dem Feuer nicht. Mindestens 31 Menschen starben im sogenannten "Camp"-Feuer in der ländlichen Region, wie die Feuerwehr in Butte County in der Nacht zum Sonntag mitteilte. Die Zahl der Opfer stieg, nachdem Rettungskräfte sechs Leichen in der Ortschaft nordkalifornischen Paradise entdeckt hatten. 

Weitere Opfer werden in den ausgebrannten Häuserruinen befürchtet, Dutzende Menschen werden in Paradise noch vermisst. Auch im Süden des Bundesstaates, 800 Kilometer von Paradise entfernt, gab es Todesopfer. Zwei stark verbrannte Leichen seien in dem Küstenort Malibu in einem Fahrzeug in einer Auffahrt zu einem Haus gefunden worden, sagte Polizeichef John Benedict vom Bezirk Los Angeles am Samstagabend (Ortszeit).

Zehntausende auf der Flucht

In dem Horrorszenario im Norden und im Süden des "Goldenen Staates" sind Zehntausende Menschen auf der Flucht vor Flammen. Doch am Samstag gab es auch einen Lichtblick: Bei abflauenden Winden gelang es den Löschteams, die massiven Brände wenigstens ansatzweise einzuzingeln. Mehr als 4000 Feuerwehrleute waren allein im Raum um Paradise im Einsatz. Dort konnten sie die Flammen in der Nacht zum Sonntag zu 20 Prozent eindämmen.

Doch die Gefahr ist bei Weitem nicht gebannt. Mehr als 6450 Wohnhäuser sind den Flammen seit Donnerstag zum Opfer gefallen, rund 15.000 Gebäude sind weiterhin bedroht. Damit zählt die Feuerkatastrophe in Paradise zu den schlimmsten Flächenbränden in der Geschichte des Westküstenstaates.

Paradise fast komplett zerstört

Das Ausmaß der Zerstörung sei kaum zu beschreiben, sagte die Bürgermeisterin der kleinen Gemeinde dem US-Sender CNN. Auch ihr Haus sei abgebrannt, ebenso hätten alle Mitglieder des Stadtrats ihre Häuser verloren, teilte Jody Jones mit. Ihnen stehe "harte Arbeit" bevor, den Ort wieder aufzubauen. Das Feuer hat Kirchen, Geschäfte, Schulen und Restaurants dem Erdboden gleich gemacht. "Doch viele Bäume sind unversehrt", sagte Jones, fast ungläubig, angesichts der massiven Verwüstung. "Wir wollen, dass Paradise wieder zum Paradies wird."

Brad Weldon ist der Feuerhölle nur knapp entkommen. Mit einem Gartenschlauch und Eimern Wasser habe er stundenlang gegen die Flammen angekämpft, sagte der 63-jährige dem "San Francisco Chronicle". Alle Nachbarn seien geflüchtet, doch seine bettlägerige 90 Jahre alte Mutter wollte das Haus nicht verlassen. Um sie herum sei alles abgebrannt. "Es fühlte sich an, als ob ich mit einem Stück Spaghetti gegen einen Elefanten kämpfe."

Räumungsbefehl für Malibu

In Südkalifornien riefen die Behörden Bewohner in den Gefahrenzonen erneut dazu auf, Räumungsbefehle zu befolgen. Haltet euch von Malibu fern, warnte der Bürgermeister des Promi-Ortes am Samstag. Dutzende Häuser seien dort abgebrannt, die Lage sei weiter gefährlich. Malibu und Nachbarorte am Nordrand von Los Angeles sind komplett evakuiert worden. Das sogenannte "Woolsey"-Feuer verkohlte dort bis Samstagabend eine Fläche von mehr als 280 Quadratkilometern.

Viele Prominente haben an der Küste und in dem angrenzenden Hügelland teure Villen. Stars wie die Sängerin und Schauspielerin Lady Gaga, der Regisseur und Oscar-Preisträger Guillermo del Toro sowie die TV-Persönlichkeiten Caitlyn Jenner und Kim Kardashian waren von den Räumungen betroffen.

Stars loben die Feuerwehr

Lady Gaga sprach den Feuerwehrleuten, Polizisten und Helfern ein großes Dankeschön aus. "Ihr seid wahre Helden", schrieb der Star auf Twitter. Kim Kardashian rief über den Kurznachrichtendienst zu Spenden für Feuerwehrorganisationen auf.

US-Präsident Donald Trump warf den zuständigen Behörden in Kalifornien unterdessen Missmanagement vor und drohte dem von Demokraten regierten Staat mit dem Entzug von Bundesmitteln. "Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und teuren Feuer in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement", schrieb Trump auf Twitter. Milliarden Dollar würden jährlich ausgegeben und trotzdem stürben so viele Menschen.

Trump erntet Kritik

Der Verband der Feuerwehrleute in Kalifornien reagierte empört. Trump habe eine "uninformierte politische Drohung gegen die unschuldigen Opfer dieser verheerenden Feuer" ausgesprochen, sagte Verbandschef Brian Rice. Dies sei auch ein "schmählicher" Angriff auf die Feuerwehrleute, die ihr Leben riskierten.

Auch in den sozialen Medien beklagten sich viele über Trumps Reaktion. "Dies ist eine absolut herzlose Antwort", schrieb die Sängerin Katy Perry auf Twitter. Stunden später schlug der Präsident einen anderen Ton an und drückte den Feuerwehrleuten und den Betroffenen sein Mitgefühl aus. "Die Zerstörung ist katastrophal. Gott schütze alle", schrieb er und rief die Menschen auf, den Evakuierungsaufrufen zu folgen. Am Sonntag schwenkte Trump aber wieder auf die andere Stoßrichtung um und erklärte, mit einem vernünftigem Forstmanagement seien zerstörerische Feuer wie das in Kalifornien zu stoppen.