Berlin (dpa) l Die Universität Hildesheim untersucht weiter den umstrittenen Einsatz von vorbestraften Pädophilen, die in den 1960er Jahren als Pflegeväter eingesetzt wurden. Im Mittelpunkt steht der vor über zehn Jahren verstorbene Sozialpädagoge Helmut Kentler, der von 1976 bis 1996 Professor an der Uni Hannover war. Er vermittelte in Berlin Kinder und Jugendliche als Pflegekinder an Pädophile.

Ein erstes Gutachten zum sogenannten Kentler-Experiment wurde im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung vom Göttinger Institut für Demokratieforschung erstellt und 2016 veröffentlicht. Nun hat die Berliner Verwaltung 84.000 Euro für weitere Forschung an der Universität Hildesheim bewilligt. "Das sind wir den Betroffenen schuldig. Es ist zutiefst erschütternd, was Kindern und Jugendlichen, die sich in staatlicher Obhut befanden, angetan wurde", sagte Senatorin Sandra Scheeres (SPD).

Ein Zwischenbericht, für den auch Betroffene gehört werden sollen, soll nach acht Monaten vorliegen. Kentler wurde später nicht strafrechtlich verfolgt, weil seine Taten verjährt waren.