Berlin (vs/dpa/uk) Ein Interview von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit der „Welt am Sonntag“ schlägt hohe Wellen in der deutschen Politik sowie in den sozialen Medien. Der FDP-Vize Wolfgang Kubicki griff den CSU-Vorsitzenden mit einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite für dessen Aussagen scharf an: „Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat jetzt erklärt, dass sich viele als Opfer der Pandemie darstellten, die wahren Opfer seien aber die fast 40 000 Toten in Zusammenhang mit dem Virus. Ausgerechnet Söder, der bisher eher mit harten Worten als richtigen Entscheidungen aufgefallen ist, sollte zunächst auf seinem eigenen Hof kehren, bevor er anderen Menschen moralische Ratschläge erteilt.“

Söder habe „es bei der Bewältigung dieser Pandemie nicht ausreichend geschafft, die Altenheime zu schützen, hat die bisher größte Test-Panne dieser Pandemie zu verantworten ... Für all diejenigen, die vor den Scherben ihrer Existenz stehen, die durch gleichzeitiges Homeschooling und Homeoffice zerrissen werden, die seit Monaten auf Hilfe vom Staat warten, muss diese Art der söder-moralischen Erhebung ein Schlag ins Gesicht sein“, schrieb Kubicki weiter.

Mit „Gott schütze Bayern und uns vor Söder“ beendet Kubicki seine Online-Polemik, die vielfach geteilt und kommentiert wurde.

Söder hatte sich in jüngster Zeit nicht nur als Kanzlerkandidat der Unionsparteien in Stellung gebracht, sondern auch mehrfach eine schwarz-grüne Koalition nach der nächsten Bundestagswahl befürwortet. Das könnte für die FDP auch die Verlängerung ihrer Rolle in der Opposition bedeuten, vorausgesetzt, dass sie nicht an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert.

„Aus bösen Gedanken werden böse Worte und irgendwann auch böse Taten. Deswegen müssen wir auch in Deutschland nicht nur die Sicherheitsmaßnahmen für die demokratischen Institutionen verbessern, sondern grundlegend die sektenähnliche Bewegung der ,Querdenker‘ und anderer vergleichbarer Gruppierungen in den Blick nehmen“, hatte Söder im „Welt“-Interview festgestellt und ergänzt: „Auch wenn die Umfragewerte der AfD sinken, besteht die Gefahr, dass sich aus ihrem Umfeld heraus in Deutschland ein Corona-Mob oder eine Art Corona-RAF bilden könnte, die zunehmend aggressiver und sogar gewalttätig werden könnte.“

Söder forderte zudem einen längeren und sogar noch härteren Lockdown. Es sei nicht seriös, jetzt zu sagen, im Februar werde alles vorbei sein. Die Pandemie werde das Land „noch Monate beschäftigen“, ergänzte der Ministerpräsident Bayerns.

CSU-Chef setzt eindeutig auf Laschet

Wenige Tage vor der Wahl des CDU-Bundesvorsitzenden und möglichen Kanzlerkandidaten hatte Söder beim digitalen Neujahrsempfang der NRW-CDU dabei nicht mit Lob auf Armin Laschet gespart, der einer der drei Bewerber ist. „Nur gemeinsam geht es“, so Söder. Nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März müssten CDU und CSU „gemeinsam überlegen, wie wir Programm und auch Personal für die Bundestagswahl aufstellen“, betonte Söder.

Söder liegt als potenzieller Kanzlerkandidat in Umfragen vor Laschet, der als möglicher künftiger CDU-Vorsitzender ebenfalls als Kanzlerkandidat in Frage käme. Zeigt Söders Lob für Laschet jetzt, dass er eigene Ambitionen in Sachen Kanzlerkandidatur aufgegeben hat? Oder plant er vielleicht nur langfristig?

„Der Armin“ und „Markus“ – Söder und Laschet demonstrierten Einigkeit, als habe es in der Pandemie zwischen ihnen beiden keine Missstimmigkeiten gegeben. Söder lobte Laschets Regierungsarbeit in der CDU/FDP-Koalition in NRW mit nur einer Stimme Mehrheit und unterstrich Gemeinsamkeiten.

In der Corona-Krise sei „jeder Tag eine neue Bewährungsprobe“, so Söder. „Armin und ich haben es immer gemeinsam gemacht. Wir entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen, nicht nach Laune und Tagesform.“ Söder versprach der Schwesterpartei eine „sehr gute Zusammenarbeit“ der CSU, egal, wer CDU-Vorsitzender werde. Es werde keinen Streit wie 2018 in der Migrationsfrage geben. „Das hat uns beiden geschadet, habe ich gelernt.“