Dresden (dpa) l An lange Warteschlangen können sich ältere Dresdner gut erinnern. Zu DDR-Zeiten gehörten sie regelmäßig zum Straßenbild, wenn in Geschäften rare Produkte zu kaufen waren. Die Corona-Krise hat nun einen ähnlichen Andrang ausgelöst – auf Atemschutzmasken, die seit Montag Pflicht sind beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen.

Ab 11 Uhr wollte die Stadt kostenlos Masken an die Bürger verteilen. Doch schon eineinhalb Stunden vorher rückten die ersten Leute an, weshalb man früher begann. Am Ende war die Warteschlange quer durch die Innenstadt hunderte Meter lang.

200 000 Masken sollen in den kommenden Tagen an verschiedenen Orten der Elbestadt unters Volk gebracht werden. In der Schlange gab es trotz langer Wartezeit viel Zustimmung für die Aktion, die Dresden rund 100 000 Euro kostet. Ein paar Mal ist aber auch das Wort „Schnellschuss“ zu hören. Denn: Zwischen der Anordnung der Pflicht und deren Beginn lag nur ein Wochenende.

Wie die Stadt am Nachmittag mitteilte, wurden gut 15 000 Masken verteilt. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat schon am ersten Tag der neuen Pflicht ein Umdenken bemerkt. „Mindestens 80 Prozent“ der Fahrgäste in der Straßenbahn hätten sich an die Vorgabe gehalten. Hilbert sieht Dresden in einer Vorreiterrolle und verweist auch auf Erfahrungen aus Südkorea. Dort kennt sich der OB gut aus, seine Frau ist Koreanerin. „Wenn wir Schritt für Schritt in ein freiheitliches Leben zurückkehren wollen, werden wir uns an einige Hygiene-Regeln wie den Mund-Nase-Schutz gewöhnen müssen – bis es einen Impfstoff gibt.“

Eine bundeseinheitliche Regelung gibt es im föderalen System Deutschlands freilich nicht. Bisher empfiehlt der Bund lediglich „dringend“, Masken zu tragen. Sachsen preschte mit seiner Mundschutzpflicht vor, am 27. April will Mecklenburg-Vorpommern nachziehen. Bayern führt ab Montag auch eine Maskenpflicht ein, ebenfalls in allen Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. Heute steht das Thema auf der Agenda des Kabinetts in Baden-Württemberg.