Das Grüne Gewölbe

Das Grüne Gewölbe zählt zu den bedeutenden und ältesten Kunstsammlungen der Welt. Es befindet sich seit 2006 im wiederaufgebauten Residenzschloss. Präsentiert werden mehrere tausend Meisterwerke der Juwelier- und Goldschmiedekunst von der Renaissance bis zum Klassizismus. Die Sammlung geht auf den sächsischen Kurfürsten August den Starken (1670–1733) zurück. Er ließ die barocke Schatzkammer zwischen 1723 und 1730 anlegen.Das Historische Grüne Gewölbe im Erdgeschoss des Schlosses umfasst rund 3000 Kunstwerke in acht Räumen. Nur im Juwelenzimmer, dem Highlight der Schatzkammer, liegen die Schmuckstücke unter Glas, darunter komplette Juwelengarnituren mit bis zu 40 Teilen.

Der Name Grünes Gewölbe leitet sich von den ehemals malachitgrün gestrichenen Säulen und Kapitellen der ursprünglichen Schatzkammer August des Starken her. Schon 1724 war die Sammlung öffentlich zugänglich. (epd)

Dresden (dpa) l Nach dem spektakulären Kunstdiebstahl in Dresden werden Fragen zum Ausmaß des Schadens und zur Versicherung der Schätze laut. Am Montagmorgen waren nach Polizeiangaben zwei Verdächtige in das Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes der Schatzkammer eingedrungen und hatten eine Vitrine mit knapp 100 Objekten aufgebrochen. Dort lagen Schmuck, Edelsteine und Perlen.

Wie hoch ist der Schaden?

Nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden handelt es sich weniger um einen materiellen Schaden als um eine kulturhistorische Katastrophe. In Geld lasse sich die Dimension des Desasters nicht messen, sagt Generaldirektorin Marion Ackermann. Sie lehnt es ab, von Werten in "Milliardenhöhe" zu sprechen. Vielmehr sind durch den Raub in den vom Kurfürsten August dem Starken (1670-1733) angelegten Staatsschatz Lücken gerissen worden. Die Bestände seien nicht mehr in dem Maße vollständig, wie sie historisch überliefert wurden.

Sind die gestohlenen Schätze versichert?

Kulturgüter aus öffentlichen Museen sind im Prinzip nicht versichert, Schäden über die sogenannte Staatshaftung gedeckt. Für öffentliche Museen ist die Staatshaftung attraktiv, da sie keine Versicherungsbeiträge entrichten müssen.

Gibt es Ausnahmen?

Ja, sagt Bernd Ziegenrücker, Makler für Kunstversicherungen in Berlin. Leihgaben seien meistens versichert. Auch der Grüne Diamant aus der Dresdner Sammlung, der zurzeit im Metropolitan Museum of Art in New York gezeigt wird, ist für die Präsentation in Übersee versichert. Sobald er an seinen angestammten Ort zurückkehrt, entfällt der Schutz, der Staat haftet dann wieder.

Könnten die Diebe die Juwelen verkaufen?

Laut Experten ist zum Beispiel der Verkauf gestohlener Diamanten auf dem freien Markt extrem schwer. Wie Margaux Donckier, Sprecherin des Diamantenhandelszentrums von Antwerpen, dem wichtigsten einschlägigen Handelsplatz der Welt, sagt, sind die Händler eng vernetzt und haben über Datenbanken Zugriff auf Angaben zu gestohlenen Steinen weltweit. Hehler dürften sich auf dem Antwerpener Markt auch nicht sicher fühlen: Die Händler hätten einen direkten Draht zur belgischen Polizei, das Diamantenviertel werde mit 2000 Kameras beobachtet.

Im Fall der in Berlin gestohlenen Riesenmünze wurde das Goldstück laut den Ermittlern zerstückelt und einzeln verkauft. Droht dieses Schicksal auch der Dresdner Beute?

Anders als bei der Zwei-Zentner-Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Bodemuseum, die sich leicht als Gold verwerten lässt, behalten die Dresdner Juwelen nur als ganze Stücke ihren einzigartigen Wert. Zwar lässt sich etwa eine Brosche oder ein Diamant zerlegen. Händlern würde aber etwa durch die alte Schleiftechnik ein Diamant zweifelhaften Ursprungs sofort auffallen.

Welche Rolle spielt die Öffentlichkeit?

Eine sehr große, sagt Margaux Donckier vom Diamantenhandelszentrum in Antwerpen, wo jedes Jahr Steine im Wert von 48 Milliarden US-Dollar (44 Mrd. Euro) gehandelt werden. Als etwa 2016 dem US-Promi Kim Kardashian in Paris Schmuck im Wert von geschätzten neun Millionen Euro gestohlen wurde, habe sich das rasend schnell herumgesprochen. Dadurch sei die Ware unverkäuflich geworden.

Wie ist das Gebäude gesichert?

Es verwundert, dass Diebe mit mechanischen Werkzeugen vergleichsweise ungehindert in die Räume eindringen konnten. Zwei Wachleute, die in der Zentrale Dienst hatten, beobachten die Täter während der Tat über Monitore. Nach den Vorgaben dürfen sie nicht selbst eingreifen, sondern müssen die Polizei informieren. Die nimmt eine Minute vor 5 Uhr am Morgen den Notruf entgegen. Fünf Minuten später ist der erste Funkstreifenwagen vor Ort, die Täter aber schon auf und davon – offenkundig wieder durch das Fenster.