Kinderpornos und Missbrauch in Sachsen-Anhalt

Allein der Besitz kinderpornografischer Darstellungen wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verfolgt. Die Straftat gilt als Einstiegsdroge für den sexuellen Missbrauch an Kindern. Für die Verbreitung solcher Bilder und Videos droht sogar eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Im vergangenen Jahr haben die Staatsanwaltschaften in Sachsen-Anhalt ein Drittel mehr Verfahren im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie eingeleitet. Die Fälle stiegen von 353 auf 473. Insgesamt stellte die Polizei im vergangenen Jahr 135 Terabyte an Daten sicher.

Ausgangspunkt für Kinderpornos ist immer auch der sexuelle Missbrauch von Kindern. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt 429 Fälle. Die meisten von ihnen in Halle (69), in Magdeburg (44), im Landkreis Anhalt-Bitterfeld (36) und im Saalekreis (33). 354 von 375 Tatverdächtigen waren männlich, 239 von ihnen älter als 21 Jahre.

Strafe: Wer sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen lässt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

Magdeburg/Köln l Das Verfahren nimmt bereits Ende Oktober dieses Jahres in Bergisch-Gladbach in Nordrhein-Westfalen nach einer Durchsuchung gegen einen Mann seinen Anfang. Die bei ihm sichergestellten Daten führen zu weiteren Verdächtigen. Es folgen weitere. Ihre Missbrauchsopfer sind im Alter zwischen zwei und elf Jahren und stammen aus Nordrhein-Westfalen.

Die in Köln ansässige Ermittlungsgruppe ist inzwischen auf mehr als 130 Beamte angewachsen. Dienststellen aus dem gesamten Land sind an der Auswertung der Daten beteiligt. Wolfgang Baldes vom Polizeipräsidium in Köln: "Es gibt inzwischen fast täglich Festnahmen und wir sind erst am Anfang der Auswertung der Daten." Die Dimension sei noch nicht absehbar. Insgesamt sind aktuell von 14 Beschuldigten acht in Untersuchungshaft.

Diese Woche gerät einer von ihnen ins Visier der Ermittler. Auf den Bildern und Videos identifizieren die Kriminalisten einen 38-jährigen aus dem Harz. Er soll ein Mädchen aus seinem unmittelbaren Lebensumfeld sexuell missbraucht haben. Einsatzleiter Michael Esser ordnet noch am Dienstagabend einen Transport der Beweismittel nach Sachsen-Anhalt an. Er sagt später: "Aufgrund der Auswertungen der Chats, Videos und Fotos war Eile geboten." Esser bestellt einen Polizeihubschrauber, doch die Piloten müssen den Einsatz wegen des einsetzenden Nebels absagen. Die Beamten bringen daraufhin die Festplatte mit den Beweisen per Funkstreifenwagen nach Magdeburg. Dort nehmen Ermittler der Polizeiinspektion diese um 1.28 Uhr in Empfang.

Noch in der Nacht beginnen die Untersuchungen im Harz. Die Staatsanwaltschaft beantragt am Mittwoch den Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Mannes im Harz. Nachdem Beweise sichergestellt werden, wird einen Tag später Haftbefehl beantragt und durch einen Ermittlungsrichter am Donnerstag erlassen.

Ähnlich, wie im Fall aus Sachsen-Anhalt, haben auch sechs weitere Bundesländer Hinweise aus dem Ermittlungskomplex in Köln erhalten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich auch aus den Sicherstellungen im Harz weitere Ansatzpunkte ergeben. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg übernimmt den Fall.