Pödelwitz (dpa) l Dass der Tagebau kommt, war den Einwohnern des kleinen Dorfes Pödelwitz südlich von Leipzig lange klar. "Doch wir dachten, er zieht vorbei", sagt Thilo Kraneis, der seit seiner Kindheit in dem Ort lebt. Das habe sich schlagartig geändert, als das Braunkohleunternehmen Mibrag im Jahre 2009 mit dem Kauf von Grundstücken in dem Dorf begann. "Da war uns bewusst, unser Ort soll weg", sagt der 51-jährige Schlosser. Seitdem kämpft er mit Mitstreitern für den Erhalt des Dorfes.

Große Hoffungen setzten sie auf die Entscheidung der Kohlekommission - und wurden enttäuscht. "Da steht mit keinem Wort drin, dass kein Dorf mehr in Deutschland wegen der Braunkohle evakuiert werden soll", sagt Jens Hausner, Sprecher der Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz". Zwar habe die Kommission den Ausstieg aus der Braunkohle bis spätestens 2038 empfohlen und der Tagebau Vereinigtes Schlehnhain habe eine Betriebserlaubnis bis 2040. "Doch warum kommt dann nicht eine klare Ansage? Die Unsicherheit in dem Ort ist weiterhin groß", klagt Hausner.

Die Landesregierungen seien von der Kommission lediglich um einen Dialog mit den Betroffenen gebeten worden, sagt Hausner. Das sei zu wenig. "Die Bürgerinitiative fordert von der Landesregierung eine klare Zusage für den Erhalt des Ortes", sagt Hausner. Die Planungen für die Erweiterung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain müssten sofort eingestellt werden.

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Flächen für Tagebau nutzen

Etwa 500 Meter liegt Pödelwitz vom Tagebau Vereinigtes Schleenhain entfernt. Das Braunkohleunternehmen Mibrag wollte ursprünglich weitere Flächen für den Tagebau Vereinigtes Schleenhain nutzen, um den Rohstoff für das Kraftwerk Lippendorf zu fördern. Und das Unternehmen gibt sich nach der Empfehlung der Kommission noch nicht geschlagen.

Nach Auffassung der Geschäftsführung ist der Ausstieg aus der Kohle bis zum Jahr 2038 zu ambitioniert, es sei ein Schlag für die Mitarbeiter und für die Region. Es gingen viele gut bezahlte Arbeitsplätze verloren. "Die Empfehlungen der Kommission sehen wir daher als Grundlage für weitere Gespräche mit der Landes- und Bundesregierung" erklärt Geschäftsführer Armin Eichholz.

Das Argument der verlorenen Arbeitsplätze will Hausner nicht gelten lassen. Es gebe genügend freie Stellen, meint er. Der Kohleausstieg sei ja noch ein ganzes Stück hin und die Arbeitsagentur sei vorbereitet, sagte ein Sprecher der Agentur in Chemnitz. Außerdem seien die Arbeitsvermittler dicht am Geschehen dran und könnten individuell helfen.

Etwa 30 Bewohner in Pödelwitz

Viele Häuser in dem 700 Jahre alten Dorf stehen bereits leer. "Sie wurden von der Mibrag gekauft, obwohl sie noch gar keine Abbaugenehmigung hat", sagt Hausner. Die meisten der einst 130 Einwohner hätten den Ort verlassen, knapp 30 lebten noch in dem Ort. "Wir sind die letzten Kämpfer", sagt Hausner. Und der Einsatz lohne sich. So hätten sich bereits Interessenten für leerstehende Häuser gemeldet.

Und aufgegeben haben die Pödelwitzer noch lange nicht. In einem deutschlandweiten Bündnis "Alle Dörfer bleiben". haben sie sich mit betroffenen Orten in den Braunkohleregionen im Rheinland und in der Lausitz zusammengeschlossen. "In den nächsten Tagen werden wir beraten, welche Aktionen wir auf den Weg bringen", sagte Hausner. Geplant sei bereits ein gemeinsamer Sternmarsch der Dörfer im Raum Garzweiler im Rheinland.