Bonn (dpa) l Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat den Vorstoß aus Reihen der Bischöfe zurückgewiesen, Entschädigungen für Missbrauchsopfer aus Kirchensteuern zu bezahlen. "Der Appell an eine Solidargemeinschaft geht an dieser Stelle ins Leere, denn unsere Solidarität gilt den Opfern – und nicht jenen Verantwortlichen und Institutionen, die nun nach Auswegen angesichts finanzieller Forderungen suchen", sagte Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel am Freitag bei der ZdK-Vollversammlung in Bonn.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hatte kürzlich vorgeschlagen, bei der angestrebten Neuregelung um höhere Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer auf Kirchensteuermittel zurückzugreifen. Dabei verwies er auf die "Solidargemeinschaft" der Kirchenmitglieder. Ackermann ist Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Fragen des sexuellen Missbrauchs.

"Wir erleben seit dieser Ankündigung eine wachsende Empörung bei vielen Katholikinnen und Katholiken", sagte Lücking-Michel. Sollte dieser Vorschlag umgesetzt werden, werde dies zur "nächsten schweren Akzeptanzkrise der Kirchensteuer" und als Folge zu vielen Kirchenaustritten führen.

Auch die Reformbewegung "Wir sind Kirche" hatte Ackermanns Vorstoß kritisiert und gefordert, Entschädigungen nur aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls zu zahlen. Wenn nötig, müsse es einen Finanzausgleich zwischen den Bistümern geben.

Bisher gewährt die katholische Kirche für die Opfer von sexuellem Missbrauch zwischen 1000 und 15.000 Euro. Nach dem Vorschlag einer unabhängigen Expertengruppe sollen künftig pro Person entweder pauschal 300.000 Euro oder gestaffelt zwischen 40.000 und 400.000 Euro gezahlt werden.

Weiteres großes Thema bei der bis zum Samstag dauernden ZdK-Vollversammlung in Bonn war der geplante Reformprozess der katholischen Kirche. Der sogenannte Synodale Weg, den die DBK und das ZdK gemeinsam erarbeiten wollen, startet offiziell am 1. Dezember. "Wir werden alles tun, um zu verbindlichen Beschlüssen und Voten zu kommen", sagte ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann. So sei zwar zum Beispiel nicht zu erwarten, dass Frauen in absehbarer Zeit Priester werden können. "Aber ohne ein Diakonat der Frau kann ich mir nicht vorstellen, den synodalen Weg zu beenden."

Mehrere katholische Reformgruppen, darunter "Wir sind Kirche", mahnten am Freitag erneut, dass der Reformprozess ergebnisoffen und transparent gestaltet werden und zu konkreten Beschlüssen führen müsse.

Der "Synodale Weg" soll die katholische Kirche nach der Erschütterung durch den Missbrauchsskandal erneuern. Er umfasst vier Punkte: Den Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die priesterliche Ehelosigkeit (Zölibat) und die Position von Frauen in der Kirche.