Berlin (dpa) l Die angeklagten Rocker im Prozess um einen Mord in einem Wettbüro sind nicht ganz von der Außenwelt abgeschlossen. 14 Handys wurden in den vergangenen Jahren in ihren Gefängniszellen gefunden. Das teilte die Senatsjustizverwaltung in einer Antwort auf eine Anfrage des SPD-Innenpolitikers Tom Schreiber mit. Demnach stießen die Justizvollzugsbeamten seit 2014 alle paar Monate bei den Rockern auf Handys.

Die Auswertung der Telefondaten habe bisher aber "keine prozessrelevanten Erkenntnisse ergeben", die in der Gerichtsverhandlung eine Rolle gespielt hätten, so der Senat. Außerdem wurde bei einigen der Rocker in drei Fällen Marihuana gefunden, insgesamt allerdings nur 2,5 Gramm. Außerdem griffen einzelne Beschuldigte zweimal andere Häftlinge an, in einem Fall auch einen Bediensteten.

Der bislang größte Rocker-Prozess der Hauptstadt begann mit elf Angeklagten am 4. November 2014. Inzwischen sitzen noch zehn Mitglieder der Hells Angels auf der Anklagebank. Laut Anklage sollen die Rocker am 10. Januar 2014 vermummt in ein Wettspiel-Café im Stadtteil Reinickendorf gestürmt sein. Der Mann an der Spitze erschoss im Hinterzimmer einen 26-Jährigen. Überwachungskameras filmten das Geschehen. Die Verdächtigen wurden wenige Wochen später gefasst und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Bisher wurden in dem Prozess 223 Zeugen gehört. Jeder Verhandlungstag wird von zwölf Polizisten begleitet und bewacht. Die Arbeitsstunden der Polizei summieren sich inzwischen auf rund 25.500 Stunden – das entspricht etwa der Arbeitszeit eines Beschäftigten in 15 Jahren. Derzeit sind bis zum 6. Dezember 2018 noch 51 weitere Verhandlungstage geplant.

SPD-Politiker Schreiber kritisierte: "Es ist erschütternd wie die organisierte Kriminalität weiterhin innerhalb der Haft auf vielen Ebenen ihre Fäden zieht. Das kann kein Normalzustand sein, dass Handys und Drogen bei einem laufenden Mordprozess in den Hafträumen zu finden sind."