Hannover (dpa) l Für die Bildungsbranche ist das Ergebnis der GroKo-Verhandlungen in Berlin ein Hoffnungsschimmer. Für einen "Digitalpakt" für Schulen sind fünf Milliarden Euro vorgesehen. Das Geld soll in die Ausstattung aller 40.000 Schulen mit Computern, WLAN-Verbindungen in den Klassenräumen sowie sicheren Cloud-Lösungen fließen. Nach Auskunft von Wilmar Diepgrond, Vorsitzender des Verbands der Bildungsmedien, liegt der Umsatzanteil der digitalen Bildungsmedien in Deutschland nur bei fünf Prozent, in Dänemark dagegen bei mehr als 50 Prozent. An den Schulbuchverlagen liege das nicht, betont Diepgrond. "Wir bieten nicht Bücher, sondern Gesamtkonzepte an."

Wie engagiert eine Schule beim Thema digitale Bildung ist, hängt in der Regel vom Engagement des einzelnen Schulleiters und einzelner Lehrer ab. "Es gibt keine Budgets", klagt der Berater der Westermann Gruppe in Braunschweig. Geklärt werden müsse auch, wer den technischen Support an den Schulen macht. Eine weitere große Frage sei der Datenschutz.

Welche Möglichkeiten sich Lehrern und Schülern durch die Digitalisierung eröffnen, ist von Dienstag an auf Europas größter Bildungsmesse Didacta zu bestaunen. Allerdings können die vorgestellten Konzepte häufig nicht in den Schulalltag integriert werden – etwa weil schnelles Internet, die notwendigen Geräte oder geschultes Personal fehlen.

Spielerisches Programmieren

Größen der IT-Branche präsentieren auf dem Messegelände Hannover bis Samstag ihre Vorschläge für das digitale Lernen. Astrid Aupperle von Microsoft Deutschland etwa stellt die spielerische Programmier-Initiative "Code Your Life" für 10- bis 14-Jährige vor. Der Digitalverband Bitkom setzt sich schon länger für die Einführung eines Schulfachs Programmieren ein. Dabei würden nicht nur mathematische Kenntnisse, sondern auch Kreativität und Teamarbeit gefördert, sagt Aupperle. "In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern gibt es dazu schon Überlegungen."

Studien zufolge liegen deutsche Schüler mit ihren Computerkenntnissen bisher nur im Mittelfeld. Wenn Jugendliche digital fit sind, haben sie sich das meist selbst angeeignet – außerhalb der Schule. "Leider hinken Deutschlands Schulen bei der Digitalisierung noch hinterher. Auch bei der Lehrerausbildung hat Deutschland Nachholbedarf", sagt Aupperle. Aus Sicht der Managerin ist die Digitalisierung nicht nur eine Frage der Ausstattung, sondern fängt in den Köpfen an. "Es wäre schon viel gewonnen, wenn Computer im Klassenzimmer stehen würden oder die Schüler eigene Geräte wie Tablets oder Laptops mitbringen dürften", sagt sie. "Der Informatikunterricht findet leider immer noch viel zu oft in separaten, dunklen Räumen am Ende des Flurs statt und ist nicht integriert in den Schulalltag."

Nach dem Entwurf des Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD soll das Kooperationsverbot im Grundgesetz weiter gelockert werden, damit der Bund Geld in alle Schulen stecken kann. Bisher darf er nur finanzschwache Kommunen unterstützen. Eine Grundgesetzänderung könnte sich allerdings hinziehen, so dass die Schulen weiterhin auf die Gelder vom Bund warten müssen. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hatte den "Digitalpakt" in Höhe von fünf Milliarden Euro bereits 2016 angekündigt, doch auf Gelder warteten die Schulen vergeblich.

Die Didacta ist auch eine Fortbildungsmesse. Etwa 1500 Veranstaltungen für Lehrer, Erzieher und Ausbilder werden angeboten, einige zum Thema Digitalisierung. Angesichts des allgemeinen Sanierungsstaus an den Schulen in Milliardenhöhe hofft Reinhard Koslitz, dass das Thema digitales Lernen nicht untergeht. Die ganze Bildungslandschaft wandele sich, betont der Hauptgeschäftsführer des Didacta Verbands: "Nachhilfe-Unterricht wird heute von Bloggern und YouTubern gemacht."