Wittingen (dpa) l Die Polizei in Wittingen ermittelt wegen des Todes einer Wölfin und sucht den oder die Täter. Das recht junge Tier sei mit einer Schusswaffe getötet worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Ein Unbekannter oder mehrere Unbekannte haben demnach versucht, die tote Wölfin mittels einer Metallschlinge und eines schweren Gegenstandes im Kanal zu versenken. Die Polizei ermittelt in dem Fall, weil Wölfe artenschutzrechtlich streng geschützt sind und es verboten ist, sie zu töten.

Der Tierkadaver wurde am Sonntagabend im Kreis Gifhorn aus dem Wasser gefischt. Ein Jäger hatte den Körper entdeckt, die Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts holten dann das Tier aus dem Kanal, wie die "Braunschweiger Zeitung" berichtete. Auch ein Wolfsberater war demnach bei der Aktion anwesend. Die tote Wölfin wurde – wie in solchen Fällen üblich – anschließend für weitere Untersuchungen zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin gebracht.

Dort wird der Kadaver unter anderem per Computertomograph untersucht. Außerdem wird festgestellt, wie groß, wie schwer und wie alt die Wölfin war. Bei der Sektion werden etwaige Geschosspartikel sichergestellt und an die zuständige Staatsanwaltschaft übergeben. Nach etwa vier bis fünf Wochen erstellt das Institut einen Befund zum Fall und sendet ihn an das jeweilige Bundesland.

Die Berliner Experten sollen auch feststellen, ob sie die Wölfin einem Rudel zuordnen können. Dazu wird in der Regel eine genetische Untersuchung im Labor gemacht. Es ist laut Polizei schwer zu sagen, ob das vermutlich etwa zwei Jahre alte Tier in der Nähe des Fundorts getötet wurde. "Das ist bisher ein Puzzlespiel ohne viele Teile", sagte ein Polizeisprecher und verwies darauf, dass Ermittlungen in solchen Fällen generell schwierig seien. Die Polizei Wittingen bittet die Menschen deshalb um Hinweise.

Es gebe immer wieder Leute, die Wölfen gegenüber ablehnend eingestellt seien, sagte Wolfsberater Karl-Gustav Laser der "Allgemeinen Zeitung" zu dem Fall. Er hoffe, dass der Täter ermittelt werde und das Verhalten keine Schule mache.

In Niedersachsen gibt es nach Angaben der für die Beobachtung der Tiere zuständigen Landesjägerschaft bereits 22 nachgewiesene Rudel. Insgesamt dürften demnach mehr als 300 Wölfe im Land leben. Einzelne Wölfe dürfen nur ganz selten und mit einer Sondergenehmigung gejagt werden. Landesweit gibt es derzeit nur eine Genehmigung zum Abschuss eines Wolfes im Landkreis Nienburg, die am 31. Juli ausläuft. Dieser Leitwolf darf abgeschossen werden, weil er wolfsabweisende Zäune überwunden und Rinder in einer Herde angegriffen hat.