München (dpa)  Wenn alles gut geht, wird Uli Hoeneß Anfang März 2016 ein freier Mann sein. Der Antrag auf vorzeitige Haftentlassung wird bald geprüft. 21 Monate Gefängnis, von denen der Ex-Boss des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern sieben vollständig hinter Gittern verbrachte, sind dann zu Ende.

Am 2. Juni 2014 hatte Hoeneß die Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech angetreten. Er war am 13. März 2014 wegen Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Die ersten Monate im geschlossenen Vollzug dürften hart gewesen sein für den seit jungen Jahren im Rampenlicht stehenden Fußballmanager. Wecken um 5.50 Uhr, Arbeitsbeginn 7.00 Uhr, „Generaleinschluss“ um 19.00 Uhr – so sieht der Alltag im Landsberger Gefängnis aus.

Den ersten Ausgang mit Ehefrau Susi und Sohn Florian gab es nach dreieinhalb Monaten. Weihnachten 2014 und den Jahreswechsel verbrachte er bereits wieder in seinem Haus in Bad Wiessee am Tegernsee – Urlaub von der Haft.

Seit dem 2. Januar 2015 ist Hoeneß Freigänger. Er verbringt den Tag in München auf dem Vereinsgelände des FC Bayern, wo er in der Jugendabteilung arbeitet, und muss nur noch zum Schlafen hinter Gitter – nicht mehr in Landsberg, sondern im Freigängerhaus Rothenfeld nahe dem Starnberger See, wo die Haftbedingungen deutlich freizügiger sind. An den Wochenenden darf er bei der Familie sein.

Am 2. März 2016 endet die Hälfte der 42 Monate dauernden Haft von Hoeneß. Gut möglich, dass der dann 64-Jährige die Außenstelle Rothenfeld an dem Tag als freier Mann verlässt. „Darüber entscheidet ein Gericht in richterlicher Unabhängigkeit“, sagt eine Sprecherin des bayerischen Justizministeriums.

Und danach? Zieht Uli Hoeneß sich ins Privatleben zurück? Oder greift er noch mal nach Spitzenämtern beim FC Bayern, dessen Vereinspräsident und Aufsichtsratsvorsitzender er bis zu seiner Verurteilung in Personalunion war? „Das weiß ich nicht“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kürzlich nach der Jahreshauptversammlung des Bundesliga-Herbstmeisters.

Hoeneß war bei dem Vereinstreffen im Audi Dome nicht anwesend, aber doch Gesprächsthema. „Ich glaube, Uli hat selbst noch gar keine Entscheidung gefällt“, sagte Rummenigge, der mit Hoeneß befreundet ist. „Die Zeit wird zeigen, was er vorhat.“

Zuvor hatte ein Vereinsmitglied den Wunsch geäußert, dass der langjährige Macher nach der Haft wieder an die Spitze des Vereins zurückkehren solle. Dafür gab es reichlich Beifall.

Derzeit führt Karl Hopfner (63) den Verein. Er hatte anfangs stets betont, nicht gegen Hoeneß anzutreten, sollte sein Vorgänger im Präsidentenamt auch sein Nachfolger werden wollen. Hoeneß hat sich bislang nicht zu seinen Plänen geäußert. Ende 2016 stehen Präsidiumswahlen beim FC Bayern an. Führungsriege und viele Fans fragen sich, ob Hoeneß dann seinen Ausruf „Das war‘s noch nicht“ bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vor Antritt seiner Haftstrafe wahr macht und beim Rekordmeister wieder ganz vorne mitmischt.