Magdeburg l Durch die gegenseitigen Sanktionen zwischen der EU und Russland seit 2014 sind sowohl Ex- als auch Importe im dreistelligen Milliardenbereich gesunken, ergab eine Studie des Münchner Ifo-Instituts. Gleichwohl spielt der Handel mit Russland nur eine untergeordnete Rolle. Die Studie der Münchner Ökonomen im Auftrag von elf Industrie- und Handelskammern, darunter auch der IHK Magdeburg, fasst die Auswirkungen der seit 2014 bestehenden Sanktionen zwischen der EU und Russland in acht Punkten zusammen:

1. Die russischen Importe gingen um 32 Prozent (115 Milliarden Euro), die Exporte um 24 Prozent bzw. 100 Milliarden Euro) zurück. Der russische Handel mit der EU ging stärker zurück als der Handel mit dem Rest der Welt. Insbesondere mit China intensivieren sich die Handelsbeziehungen.

2. Russland ist einseitig von der EU als Zulieferer und als Abnehmer abhängig: Im Jahr 2018 gingen 46 Prozent der Russland-Exporte in die EU und 38 Prozent der Importe kamen aus der EU. EU-Importe aus und Exporte nach Russland überstiegen nicht fünf Prozent der Gesamtimporte/-exporte.

3. Während Deutschland und die übrigen EU-Mitgliedstaaten Russland mit Finalgütern wie Maschinen, Fahrzeugen und elektronischen Waren beliefern, werden seitens der EU aus Russland fast ausschließlich Rohstoffe importiert.

4. Das russische Exportgeschäft ist sehr stark von der europäischen Nachfrage nach Rohmaterialien abhängig.

5. Der Außenhandel Russlands mit Deutschland ging deutlich zurück, besonders in der Landwirtschaft (–55 Prozent) und im Bergbau (–40 Prozent).

6. Durch Abschaffung aller Sanktionen könnte Deutschland die Exporte nach Russland um knapp 16 Prozent erhöhen.

7. Bei einer einseitigen Abschaffung der Sanktionen durch die EU stiege das reale Bruttoinlandsprodukt der EU-Mitgliedstaaten im Durchschnitt um 0,12 Prozent (20,85 Mrd. Euro) und das Russlands um 1,13 Prozent (17,13 Mrd. Euro). Das deutsche reale BIP stiege um 0,16 Prozent (5,42 Mrd. Euro). Dabei würden die ostdeutschen Bundesländer stark profitieren.

8. Ostdeutsche Unternehmen sehen sich in besonderem Maße durch die Sanktionen beeinträchtigt.

„Die Ergebnisse überraschen uns nicht“, kommentiert der Präsident der IHK Magdeburg, Klaus Olbricht. „Wirtschaftssanktionen zur Durchsetzung politischer Forderungen haben keine Gewinner, alle Beteiligten können nur verlieren. Es wird Zeit, dass ein gemeinsamer Weg aus den Sanktionen herausgefunden wird.“ Die IHK Magdeburg versucht durch enge Kontakte in die Regionen Samara und Omsk die Beziehungen zu Russland zu intensivieren.

In der Wirtschaft Sachsen-Anhalts spielt der Handel mit Russland eine eher untergeordnete Rolle, so wie es auch die Münchner Ökonomen für ganz Deutschland festgestellt haben. Bei den Exporten liegt Russland an 13. Stelle. Der Anteil der Ausfuhren heimischer Firmen nach Russland am Gesamtwert der Exporte von 16,59 Milliarden Euro lag im vergangengen Jahr bei 2,27 Prozent (376 Millionen Euro), teilte das Wirtschaftsministerium auf Anfrage mit. Im Jahr 2008, also weit vor den Sanktionen, wurde für rund 406 Millionen Euro nach Russland exportiert (3,15 Prozent der Gesamtexporte). Exportiert werden aus Sachsen-Anhalt vor allem pharmazeutische Erzeugnisse, Geräte zur Elektrizitätserzeugung und - verteilung, Chemie- und Kunststoffprodukte. Russland ist allerdings Sachsen-Anhalts bedeutendster Importeur (Platz 1), vor allem wegen der Öl- und Gaslieferungen (darüber hinaus Aluminium, Kupfer und Rohkautschuk). Ihr Wert betrug im vergangenen Jahr 4,3 Milliarden Euro, das waren knapp 25 Prozent aller Importe. In den vergangenen Jahren hatten sich vor allem die Preisschwankungen am Ölmarkt und der Rubel-Kurs negativ auf die Bilanz ausgewirkt. Meinung