Potsdam (epd) l Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) setzt 25 Jahre nach der Gründung des Bundeslandes weiter auf einen Zusammenschluss mit Berlin. Es sei schade, dass die Fusion 1996 gescheitert sei, sagte Stolpe der „Berliner Zeitung“. Die Fusionsfrage werde sich jedoch voraussichtlich erneut stellen, „wenn die nächste Krise drückt“, betonte der frühere DDR-Kirchenjurist: „Vielleicht gibt es dann doch noch mein Traumland aus Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.“

Den Brandenburgern sei es inzwischen weitgehend gelungen, die Umbrüche nach dem Ende der DDR 1990 zu bewältigen und eine eigene brandenburgische Identität zu entwickeln, sagte der 79-Jährige.

So habe das in der DDR etablierte Eingaben-System mit Bitt- und Beschwerdebriefen direkt an Staatschef Erich Honecker noch lange nachgewirkt. „Ich war der Ersatz-Honecker“, sagte Stolpe: „Ich bin in den ersten Monaten noch bombardiert worden mit solchen Briefen.“ Er habe eigens ein Büro einrichten müssen, um diese Briefe zu beantworten. „Es hat ein paar Jahre gedauert, bis das aufhörte.“