Berlin (epd) l Der Streit über eine Rente mit 70 wird prägendes Thema im Wahlkampf. Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel kündigte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ an, mit dem Thema ins Rennen um Bundestagsmandate 2017 einzusteigen. „Wahlkampf macht man am besten über wichtige gesellschaftliche und ernstgemeinte Sachfragen“, sagte der Bundeswirtschaftsminister. Weiter: „Und die Rente ist so eine ernste Sachfrage.“

Deutschland müsse in der Lage sein, „Menschen nach 45 Jahren harter Arbeit eine angemessene Rente zu sichern“, betonte er. Gabriel hat gefordert, das gesetzliche Rentenniveau müsse stabil bleiben.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erteilte Forderungen nach einem höheren Renteneintrittsalter erneut eine klare Absage. Den Vorschlag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kritisierte sie in der „Bild am Sonntag“ als lebensfremd.

„Es ist ein Irrglaube, dass wir alle älter und fitter werden“, sagte sie. „Wer 40 Jahre auf dem Bau gearbeitet hat, kann irgendwann nicht mehr. Mein Vater war Maurer und ist mit 73 Jahren gestorben. Wenn mir da einer mit Arbeiten bis 70 kommt, werde ich sauer.“ Ohnehin sei es bereits jetzt möglich, für Arbeit bis 68 oder 70 Rentenpunkte gutgeschrieben zu bekommen.

Nahles kündigte an, noch in dieser Legislaturperiode eine große Rentenreform auf den Weg zu bringen, um Altersarmut zu vermeiden. Ihr Konzept sieht dem Bericht zufolge unter anderem eine Stärkung von Betriebsrenten vor.

Schäuble hatte am Mittwoch einen späteren Renteneinstieg ins Gespräch gebracht. Er erklärte, die alternde Gesellschaft bringe große Aufgaben mit sich, und in den Sozialsystemen müssten Anpassungen vorgenommen werden. Die Junge Union hatte sich konkret dafür ausgesprochen, das Rentenalter ab 2030 schrittweise auf 70 Jahre anzuheben. „Die Rente mit 70 wird in jedem Fall kommen“, bekräftigte Paul Ziemiak (CDU), der Chef der Jungen Union, laut „Bild am Sonntag“. Das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung anzupassen sei unausweichlich.

Der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) forderte in der Zeitung, die Altersgrenze abzuschaffen. „Stattdessen sollte der Zeitpunkt bestimmt werden, ab dem es Renten-Zuschläge oder Abschläge gibt. Die Leute sind erwachsen, sie können selbst entscheiden, wann sie in Rente gehen.“