Berlin (dpa) l Innovation und Politik – zwei Dinge, die oft nur schwer zueinander finden. Politik wirkt auf die Menschen allzu oft nur wie ein Machtspiel mit komplizierten Beschlüssen, Sonderregelungen und komplizierten Wörtern. Der Preis „Innovations in Politics“ belohnt Projekte von Bürgern auf lokaler Ebene. Eine Auswahl:

Regiothek:

Immer mehr Verbraucher setzen bei der Auswahl ihrer Lebensmittel auf Regionalität und Transparenz. Woher bekommt der Bäcker an der Ecke sein Mehl? Und das Lieblingsrestaurants das Fleisch? Auf einer Homepage können Verkäufer diese Angaben veröffentlichen. Auf einer großen Landkarte entsteht so ein Netz, das den Warenweg vom Lieferanten des Futters bis hin zum Lokal zeigt. Anton Kohlbauer, Bastian Kühnel, Simon Nestmeier und Alexander Treml haben die Regiothek in Passau gegründet, rund 40 Betriebe vor allem aus der Region sind schon dabei. Im kommenden Jahr soll expandiert werden. „Eigentlich lässt sich die Plattform auf alle Branchen ausweiten“, sagen die Entwickler. Sie wollen sich aber zunächst auf die Lieferwege der Lebensmittel beschränken.

Digitale Dörfer:

Eine gute Nahversorgung, eine bessere Mobilität und eine Stärkung des Ehrenamts gehörten zu den Zielen der „Digitalen Dörfer“. Wichtigstes Hilfsmittel: das Internet.

Mit verschiedenen Apps wurde die Kommunikation in den Projektdörfern in Rheinland-Pfalz und mit der Verwaltung verbessert, ein kleiner Lieferservice von Nachbarn für Nachbarn eingerichtet. Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern lieferte die Technik, die inzwischen 14 Kommunen und Landkreise aus mehreren Bundesländern übernommen haben. „Wir begreifen Digitalisierung als Werkzeug für eine bessere Lebensqualität“, sagt Steffen Hess vom IESE. Die Gemeinden müssten für sich herausfinden, welche Netzwerke sie bräuchten. „Dann erhalten sie durch digitale Dienste einen Standortvorteil.“ Das Projekt wurde vom Land Rheinland-Pfalz mit drei Millionen Euro unterstützt.

Geld für Bürgerprojekte:

300.000 Euro hat die Kommunalverwaltung in der irischen Grafschaft South Dublin ihren Bürgern 2017 zur Verfügung gestellt, um eigene Projekte zu verwirklichen. Rund 160 Ideen wurden eingereicht, 17 zur Abstimmung gestellt und 8 letztlich umgesetzt. Mit dabei: ein neuer Spielplatz, Weihnachtsbeleuchtung in einer Ortschaft und 70 neugepflanzte Apfelbäume.

2018 wurde das Projekt wiederholt, die genauen Zusagen stehen noch aus. Ein ähnliches Projekt aus Bonn steht ebenfalls im Finale: Über die Plattform „Bonn mach mit“ konnten Bürger im Frühjahr Ideen einreichen, die mit einem Bürgerbudget von 220.000 Euro finanziert werden sollen.

Treffen der Generationen:

Statt alleine zu Hause oder im Altenheim treffen sich einige Rentner in Mailand zum Mittagessen mit Schülern in der Kantine. „Während die Älteren ihren Reichtum an Wissen und Werten weitergeben, bereichern die Kinder den Tag der Rentner mit ihrer Freude und ihrer Neugier“, heißt es in der Projektbeschreibung.

Das Konzept ist Teil der Ernährungsstrategie in Mailand und wurde im Schuljahr 2014/2015 erstmals angeboten. Aufgrund des Erfolgs wurde es im laufenden Schuljahr weitergeführt.

Frauen-Rat:

Mehr aktive Frauen im Sozialleben, ein besseres Netzwerk für Aktive und mehr Diskussionen über soziale Veränderungen waren das Ziel im Karpartenvorland in Polen.

Im Januar 2018 wurde zu diesem Anlass ein Frauenrat gegründet, der die lokalen Behörden berät und sich für die regionale Bevölkerung einsetzt. Ziel ist es auch, ein stärkeres Gewicht gegenüber lokalen Entscheidungsträgern zu entwickeln.