Istanbul (dpa) l Bei seinem Antrittsbesuch in der Türkei will Außenminister Heiko Maas besonders intensiv über die Vermeidung einer humanitären Katastrophe im syrischen Idlib sprechen. "Das Thema Syrien wird sicherlich ein ganz wichtiges Thema der Gespräche sein", sagte Maas kurz vor seinem Abflug am Mittwoch. Vor der geplanten Offensive der syrischen Regierung auf die Rebellenhochburg Idlib spiele die Türkei eine besonders wichtige Rolle.

Am Freitag findet ein von der Türkei organisierter Syriengipfel mit dem Iran und Russland statt. Die Türkei versucht seit Wochen fieberhaft, die Offensive zu stoppen, unter anderem wegen möglicher Flüchtlingsströme in Richtung Türkei. In Idlib leben neben Tausenden extremistischen Rebellen auch rund drei Millionen Zivilisten.

Türkei strebt Investitionen an

Maas sagte am Flughafen, Deutschland werden "alles dafür tun", um die, "die sich um eine politische Lösung in Syrien bemühen, dabei zu unterstützen, den Angriff auf Idlib und die drohende humanitäre Katastrophe zu verhindern". Weitere Flüchtlingsströme in die Türkei könnten sich auch nach Europa fortsetzen.

Hoch oben auf der Agenda des Besuch steht auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die ist für die Türkei nach Aussagen aus Regierungskreisen das wichtigste Thema. Das Land steckt in einer schweren Währungskrise. Eine allgemeine Wirtschaftskrise zeichnet sich ab. Maas sprach sich erneut gegen Finanzhilfen für die Türkei aus. "Ich glaube nicht, dass es im Moment darum geht, über Hilfsmaßnahmen zu reden", sagte er am Flughafen. Aus türkischen Regierungskreisen war allerdings zu hören, dass die Türkei sich sowieso keine Finanzhilfen zur Bewältigung der Krise wünsche, sondern mehr Investitionen.

Maas wird am Donnerstag auch deutsche Wirtschaftsvertreter treffen. In der Türkei sind mehr als 7100 deutsche Unternehmen aktiv.

Maas trifft Erdogan

Außenminister Maas will sich in der Türkei zudem für die sieben dort aus politischen Gründen inhaftierten Deutschen einsetzen. "Es ist kein Geheimnis, dass die Entwicklung der Türkei, insbesondere die Menschenrechtslage, uns Sorgen bereitet und unsere Beziehungen überschattet", sagte er. Maas hat deutlich gemacht, dass die deutsch-türkischen Beziehungen sich erst normalisieren können, wenn sie freigelassen werden.

Maas wird in der Türkei auch von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan empfangen. Am Mittwochnachmittag steht zunächst ein Gespräch mit Parlamentspräsident Binali Yildirim an. Danach trifft er seinen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu und Erdogan. Die Maas-Reise ist die erste einer ganzen Serie gegenseitiger Besuche beider Regierungen.