Oslo (dpa) l Ziel des Manövers war es, für den sogenannten Bündnisfall zu trainieren. Haben sich der riesige Aufwand und die Kosten von rund 90 Millionen Euro gelohnt? Fragen an Brigadegeneral Michael Matz (59), der oberster deutscher militärischer Repräsentant bei der Übung war:

Herr General Matz, das größte Manöver der Nato seit Ende des Kalten Krieges ist seit diesem Mittwoch Geschichte. Wie ist es aus deutscher Sicht gelaufen?
Michael Matz:
Ausgesprochen gut. Das fing mit der strategischen Verlegung eines großen Truppenkontingents mit Schiffen, mit der Eisenbahn und mit Flugzeugen an. Das haben wir seit vielen Jahrzehnten nicht gemacht und das ist hervorragend gelaufen. Dann gab es die eigentliche Übung, wo es um das Zusammenwirken der deutschen Kräfte mit unseren alliierten Partnern ging. Dabei haben wir zunächst einmal die Verzögerung, das heißt die Aufgabe von Raum und Abnutzung des Gegners geübt – und dann den Gegenangriff.

Die bislang letzten Nato-Manöver in diesem Ausmaß gab es vor dem Zerfall der Sowjetunion. Damals gab es bei Manöverunfällen oft Dutzende Verletzte und sogar Tote. Wie sieht in diesem Bereich die Bilanz aus?
Gottlob hatten wir bisher keine schweren Unfälle zu beklagen. Jetzt geht es aber auch noch darum, die Kräfte wieder geordnet nach Deutschland zurückzuführen. Eine Übung ist immer erst dann zu Ende, wenn alle Männer und Frauen gesund an Leib und Seele an die deutschen Standorten zurückgekehrt sind. Nach derzeitigem Planungsstand werden die letzten Logistiker erst um den 10. Dezember herum in Deutschland zurück sein.

Bei Übungen geht es darum zu zeigen, was man kann, aber auch um das Identifizieren von möglichen Schwächen. Was lernt die Bundeswehr aus dieser Übung?
Dass wir noch schneller werden können. Indem wir zum Beispiel Verfahren entwickeln, um die Truppe noch zügiger in ein anderes Bündnisland zu transportieren. Die Abstimmung mit den multinationalen Partnern hat grundsätzlich gut geklappt. Aber das Wort „grundsätzlich“ ist immer so ein Weichmacher. An dieser Übung haben alle Nato-Partner plus Schweden und Finnland teilgenommen – auch einige Partner, mit denen wir seit Jahrzehnten nicht zusammengearbeitet haben. Mit einigen könnten wir uns für zukünftige Übungen und mögliche Einsätze enger abzustimmen. Interoperabilität ist da das Stichwort.

Russland hat während der Übung selbst Übungen vor der norwegischen Küste angekündigt – offensichtlich in Reaktion auf die Nato-Übung. Hat das den Manöververlauf beeinflusst?
Überall dort, wo deutsche Kräfte eingesetzt waren, hat es keine Einschränkung gegeben. Ich will nicht ausschließen, dass wir beobachtet worden sind bei unseren Marschbewegungen. Aber das ist normal, denke ich. Mir sind zu keiner Zeit Dinge gemeldet worden, wo wir in der Übung behindert oder eingeschränkt waren.