Brasilia (AFP) l In Brasilien haben erneut Zehntausende Menschen für die Absetzung von Staatschefin Dilma Rousseff demonstriert. In 87 Städten gingen am Sonntag etwa 83.000 Regierungsgegner auf die Straße, wie der Fernsehsender Globo unter Berufung auf die Polizei berichtete. Die Organisatoren gingen sogar von 407.000 Demonstranten aus.

Allein in der Wirtschaftsmetropole São Paulo beteiligten sich rund 30.000 Menschen an einem Protestmarsch, in der Hauptstadt Brasília wurde der Zug von einer riesigen Rousseff-Puppe als Lügen-Pinocchio angeführt.

Es waren bereits die vierten Massenkundgebungen gegen die Staatschefin in diesem Jahr. Diesmal beteiligten sich allerdings deutlicher weniger Menschen an den Demonstrationen. Im März waren landesweit noch 2,4 Millionen Menschen gegen Rousseff auf die Straße gegangen, Mitte August fast 900.000.

Wiederwahl 2014

Bei der Präsidentschaftswahl im Oktober des vergangenen Jahres war die linksgerichtete Präsidentin Rousseff mit knapper Mehrheit im Amt bestätigt worden. Angesichts der schweren Wirtschaftskrise und der ausufernden Petrobras-Korruptionsaffäre sanken ihre Zustimmungswerte zuletzt aber auf weniger als zehn Prozent. Seit den Bemühungen um ein Amtsenthebungsverfahren gegen sie wegen des Vorwurfs, den Haushalt unter anderem im Wahljahr 2014 geschönt zu haben, steht Rousseff zusätzlich unter Druck.

Rousseffs Gegner hatten sich zuletzt eine Mehrheit in dem für eine mögliche Amtsenthebung wichtigen Sonderausschuss gesichert. Gibt der Ausschuss seine Zustimmung zum Amtsenthebungsverfahren, muss zunächst das Unterhaus über Rousseffs Absetzung abstimmen. Gestoppt wurden die Befürworter jedoch vorerst vom Obersten Gericht, das die Arbeit des Gremiums bis zum kommenden Mittwoch aussetzte. Dann soll das Gericht in seiner Gesamtheit befinden, ob der Ausschuss rechtmäßig zustande kam. Nach einem Medienbericht wird gegen rund ein Drittel der Mitglieder des Sonderausschusses unter anderem wegen Korruption und Geldwäsche ermittelt.