Berlin (dpa) l Im Kampf gegen das Coronavirus gilt seit Sonnabend eine Testpflicht für alle Urlauber, die aus Ländern mit vielen Infizierten zurückkommen. Wer kein negatives Test-Ergebnis von kurz vor der Abreise dabei hat, muss sich nach der Ankunft in Deutschland testen lassen. Dies ist bis zu drei Tage nach der Einreise kostenlos möglich, wie eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) festlegt. Die Tests sollen direkt an Flughäfen zu machen sein oder später in anderen Testzentren und Praxen. Freiwillig können sich schon seit Sonnabend alle Urlauber kostenlos testen lassen.

Zu Chaos an den Flughäfen kam es am Sonnabend nicht. Am größten deutschen Airport in Frankfurt war im Testzentrum vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) nur von „minimal mehr“ Tests die Rede. Am Flughafen Hannover bildeten sich vor einem Testzentrum zumindest längere Schlangen. Am Hamburger Flughafen mussten die von der Testpflicht betroffenen Reisenden laut einem Sprecher der zuständigen Sozialbehörde nicht länger als 30 Minuten auf den Abstrich warten. Auch in Berlin verliefen die Tests an den Flughäfen Tegel und Schönefeld sowie auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) nach Angaben der Gesundheitsverwaltung weitgehend reibungslos.

Der Ärzteverband Marburger Bund begrüßte die neue Pflicht. An ersten Ergebnissen sei zu sehen, dass bei Rückkehrern aus Risikogebieten die Rate positiver Tests höher sei als bei den Tests im Inland, sagte die Vorsitzende Susanne Johna.

Kostenlose Tests in der Kritik

Aus der CDU gibt es Kritik daran, dass die Pflichttests für die Reisenden kostenlos sind. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff etwa sagte dem „Spiegel“, die Regelung sei zwar vorübergehend richtig für die sofortige Umsetzung. „Für eine dauerhafte Lösung muss aber über Alternativen nachgedacht werden, zum Beispiel, ob die Kosten für die Tests auf die entsprechenden Flugtickets umgelegt werden.“

Für Heimkehrer aus Risikogebieten gibt es künftig zwei Möglichkeiten: Entweder sie lassen sich noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise testen und legen einen Negativ-Nachweis in deutscher oder englischer Sprache vor. Tests im Ausland sind aber selbst zu zahlen. Oder sie lassen sich nach der Rückkehr in Deutschland testen, was bis zu drei Tage kostenlos möglich ist.

Ein Überblick über die Bestimmungen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums:

Risikogebiete: Welche Länder als Risikogebiete gelten, geht aus einer Liste des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Sie umfasst etwa 130 Staaten von Ägypten über Russland bis zu den USA. Aus der EU sind aktuell Luxemburg, die belgische Provinz Antwerpen und die spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra sowie Teile Rumäniens und Bulgariens, darunter auch die Touristenhochburg Warna, auf der Liste. Die Einstufung als Risikogebiet ist nicht gleichbedeutend mit Reisewarnungen, die das Auswärtige Amt für Länder ausspricht.

Nach der Rückkehr: Generell gilt für Urlauber aus Risikogebieten, sich direkt nach der Ankunft für 14 Tage in Quarantäne nach Hause zu begeben – es sei denn, man hat ein negatives Testergebnis. Testen lassen müssen sich grundsätzlich auch Kinder. Die Testpflicht greift nicht, wenn man ohne Zwischenstopp nur durch ein Risikogebiet gereist ist.

Tests: Wenn möglich, sollten sich Rückkehrer ohne Test gleich an Flughäfen, Bahnhöfen und Häfen testen lassen – oder später in anderen Testzentren und Praxen ihres Ortes. Den Test muss man nach Aufforderung des Gesundheitsamts binnen 14 Tagen nach Einreise machen – und in Quarantäne bleiben, bis das Ergebnis da ist. In der Regel dauert es 24 bis 48 Stunden. Ein positives Ergebnis meldet das Labor direkt an das örtliche Gesundheitsamt, und man muss für bis zu 14 Tage in Quarantäne.

Ein negatives Ergebnis heißt in den meisten Bundesländern, dass keine häusliche Quarantäne mehr nötig ist, wie das Ministerium erläutert.