Magdeburg l CDU und CSU wollen die Große Koalition auf Gedeih und Verderb bis 2021 über die Zeit bringen. Aus nachvollziehbaren Gründen: Da sich eine andere Variante nach den gescheiterten Verhandlungen mit FDP und Grünen kaum schmieden ließ, stünden beim Koalitionsbruch Neuwahlen an. Wie die SPD müsste auch die Union dabei weitere Verluste fürchten.

Weil der Union inhaltlich nichts einfällt und die geplante geräuschlose Übergabe der Macht von der ewigen Kanzlerin Angela Merkel auf die saarländische Ex-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer nicht funktioniert hat. Nach der Wahl zur CDU-Chefin hat Kramp-Karrenbauer sich manchen Schnitzer erlaubt. Zuletzt zweifelte sie an der Meinungsfreiheit im Internet. Das kam beim YouTube-affinen Publikum, das die Unionsparteien so gern erreichen wollen, gar nicht gut an.

Allerdings ist die neue Vorsitzende eine Lernende in einem ungastlichen Umfeld. Die Arbeitsteilung zwischen ihr und der Kanzlerin klappt nur mäßig, seit sich Merkel auf das Präsidieren zurückgezogen hat, statt Energie beim Regieren erkennen zu lassen. Die Konflikte in Gesellschaft und Partei hat dadurch allein Kramp-Karrenbauer zu beackern.

Deshalb wird die CDU-Vorsitzende ein halbes Jahr nach ihrer Wahl schon wieder infrage gestellt. Ganz im Gegensatz zu CSU-Chef Markus Söder, der vergessen lässt, das Bayern unlängst noch von Horst Seehofer regiert wurde.

Fazit: Die Union ist die stärkste Kraft im Land, muss aber um diesen Rang kämpfen. Sollte sich Kramp-Karrenbauer ohne Machtposition bis 2021 abstrampeln müssen wie bisher, ist sie als Kanzlerkandidatin verschlissen.