London l Eigentlich wollte Boris Johnson seit Ende Oktober tot im Graben liegen, weil er den Brexit erst mal vergeigt hatte. Die Wahl wurde zu seiner Auferstehung, Hauptkonkurrent Jeremy Corbyn hingegen ist politisch tot. Die Briten haben den gewieften Populisten Johnson mit einer Macht versehen, von der viele EU-Fürsten in Brüssel und den Mitgliedsstaaten nur träumen können. Der britische EU-Austritt scheint nur noch eine Formsache zu sein.

Mit einem Führungsstil Trumpscher Prägung kann Johnson weder Großbritannien vernünftig regieren noch passgerecht in die internationale Gemeinschaft einfügen. Er ist der so ziemlich schwierigste Partner, den sich Europa denken kann. Die USA werden Johnson honorieren, künftig Vollstrecker ihrer Interessen zu sein. Als wirtschaftliche Basis reicht das nicht aus. Johnson wird deshalb versuchen, die Einheit der EU-Staaten zu sprengen, um Vorteile herauszuschlagen. Wie, kann sich Johnson bei Wladimir Putin abschauen.