Chemnitz (dpa) l Michael Kretschmer ist kein Freund von Kraftklub. Sachsens Ministerpräsident hat die Indie-Rocker aus Chemnitz in einer MDR-Talkshow als „unmögliche linke Band“ bezeichnet. Angesichts der jüngsten Ereignisse in der Stadt mit rechten Aufmärschen und Hasstiraden gegen Ausländer springt der Regierungschef jedoch über seinen Schatten. Er freue sich, „dass die Gruppe Kraftklub die Initiative übernommen hat, am Montag mit einem großen Konzert auch jungen Menschen die Möglichkeit gibt, sich da zu zeigen“, sagte der CDU-Politiker jüngst beim Bürgerdialog „Sachsengespräch“.

Unter der Schirmherrschaft von Kraftklub und unter dem Motto „#wirsindmehr“ wurde in Chemnitz dann am Montagabend tatsächlich gerockt und gerappt gegen Rechts. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren rund 65.000 Menschen gekommen. Zum Abschluss des mehr als vierstündigen kostenlosen Open-Air-Konzerts sollten als Highlight die Toten Hosen aus der Chemnitzer Partnerstadt Düsseldorf auftreten. Besondere Vorkommnisse blieben nach Polizeiangaben zunächst aus.

Schweigeminute zu Beginn

Vor dem ersten Ton herrschte zunächst einmal andächtige Ruhe. Mit einer Schweigeminute zu Beginn der Veranstaltung wurde an den 35-jährigen Deutschen erinnert, dessen gewaltsamer Tod gut eine Woche zuvor Auslöser der Vorfälle in Chemnitz wurde. Tatverdächtig sind ein Syrer und ein Iraker, die in Untersuchungshaft sitzen.

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Ziel der Veranstalter und Künstler des Konzerts ist es nach eigenem Bekunden keineswegs, eine Party zu feiern. Kraftklub, die befreundete Musiker zusammengetrommelt haben, nennen vor allem die Unterstützung für engagierte Menschen als Intention für ihre Aktion. „Wir sind nicht naiv. Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht und dann ist die Welt gerettet“, sagt Sänger Felix Brummer vor Beginn. „Aber manchmal ist es wichtig, zu zeigen, dass man nicht allein ist.“

Campino, Frontmann der Toten Hosen, sieht das Mini-Festival als Mutmacher gegen Rechts. Er sei sich sicher, dass die Menschen durch ihren Konzertbesuch auch ein Zeichen setzten und sich solidarisch zeigten mit denen, „die hier bleiben, die diesen täglichen Kampf für uns alle durchziehen, die gegenhalten. So sehe ich das mit unserem Konzert auch, dass wir denen Mut machen“, sagt der Altrocker.

Marteria eirnnert an Rostock

Es gehe nicht um Links gegen Rechts, sondern darum, „dass alles, was normalen Anstand hat, egal welcher politischer Couleur, sich gegen einen Rechtsaußen-Mob, der übergriffig wird“, stelle. Und weiter: „Es ist ganz wichtig, dass wir dieses Betragen stoppen, so lange es noch ein Schneeball ist, und zerstören, bevor es zu einer Lawine wird.“

Der Rapper Marteria sagte, er fühle sich durch die Vorkommnisse in Chemnitz an die fremdenfeindlichen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen erinnert. Er habe damals 1992 in Rostock gewohnt und es sei ein unfassbar schlimmer Moment für ihn gewesen. Genau wie damals in Rostock habe sich jetzt in Chemnitz etwas aufgebauscht. Es sei wichtig, dass sich Chemnitz nun in einem positiven Licht zeige. Das Konzert sei „ein Teil Musikgeschichte und das bleibt auch immer in Verbindung mit Chemnitz“.