Berlin (dpa) l Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) dringen auf eine stärkere Bündelung des Krankenhaus-Angebots in Deutschland. Die Länder machten von Möglichkeiten für neue Strukturen bisher nur zögerlich Gebrauch, sagte der Chef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, am Montag in Berlin. Bund und Länder sollten deswegen ein gemeinsames Ziel für 2025 erarbeiten. "Ein deutlicher Schritt wäre es bereits, wenn zukünftig Kliniken mit mehr als 500 Betten nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel in der Krankenhauslandschaft bilden." Die Krankenhausbetreiber warnten vor Verunsicherung der Patienten.

Über die künftige Struktur der derzeit knapp 2000 Krankenhäuser wird seit längerem diskutiert. Auch die große Koalition will eine stärkere Spezialisierung und Arbeitsteilung vorantreiben. Dabei zielen Rufe nach mehr Zentralisierung auch auf mehr Qualität, wenn Kliniken mit größerer Erfahrung komplexe und planbare Operationen übernehmen.

Laut einer Studie des Wissenschaftliches Institut der AOK nahmen 2015 beispielsweise mehr als 1000 Krankenhäuser Darmkrebs-Operationen vor - ein Viertel davon aber maximal 17 im Jahr. Würden derartige Eingriffe nur noch in Spezialzentren oder Kliniken mit mindestens 50 OPs pro Jahr gemacht, blieben 385 Häuser übrig. Der mittlere Anfahrtsweg für Patienten würde sich dadurch von acht auf 16 Kilometer verlängern.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft wandte sich gegen Alarmismus. Die Kliniken hätten eine Entwicklung in Richtung Spezialisierung und Zentrealisierung längst in Gang gebracht. Zum Beispiel bei Geburten werde eine Krankenhausversorgung in der Fläche aber auch bei wenigen Fällen pro Jahr gebraucht. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Karin Maag (CDU), sagte in Berlin: "Selbstverständlich wird es auch in Zukunft die notwendigen kleineren Krankenhäuser geben – aber eben die notwendigen."