Berlin/Laage (dpa) l Nach der Kollision zweier Kampfjets über Mecklenburg-Vorpommern hat der CDU-Politiker Henning Otte die Luftkampfübungen verteidigt. „Die Bundeswehr muss dort üben, wo sie im Bedarfsfall auch verteidigt“, sagte der verteidigungspolitische Sprecher. Die Luftwaffe will auch nach dem Absturz an Übungen über besiedelten Landgebieten in Deutschland festhalten. Dies sei für die Einsatzbereitschaft der Besatzungen nötig, sagte der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz.

Dagegen fordert die Linke im Schweriner Landtag, die Übungen zu beenden. Der Parlamentarische Geschäftsführer Peter Ritter hatte die Übungen für unnötig erklärt. Die Landeschefin der Grünen, Claudia Schulz, sagte, es müsse geprüft werden, in welchen Regionen und in welchem Ausmaß Eurofighter fliegen dürfen, und inwiefern man die Flüge über Urlaubsregionen einschränken könne. Dies sei nötig, weil „Emissionen, Lärm und auch die Gefahren für die Bevölkerung nicht unerheblich sind“.

Auch der Bürgermeister von Waren an der Müritz, Norbert Möller (SPD), äußerte sich ähnlich. Er sprach sich prinzipiell für einen Verzicht auf militärische Übungstiefflüge in Urlauberregionen. „Viele Touristen haben kein Verständnis dafür, dass ausgerechnet rings um die Müritz solche Tiefflüge geübt werden.“ Die Region um das Heilbad, zu der auch die vom Absturz betroffenen Dörfer gehören, gilt mit Hunderttausenden Gästen als touristisches Schwergewicht im Nordosten. „Man darf das gar nicht zu Ende denken, aber wir sind alle noch mal mit einem blauen Auge davongekommen“, so Möller. Man solle aber prüfen, ob gerade Tiefflüge über dem größten deutschen Binnensee und den umliegenden Gewässern abgehalten werden müssten. Auch die Bürgermeisterin von Silz und Nossentin, Almuth Köhler (CDU), wo eines der Flugzeuge abstürzte, stellte ähnliche Forderungen.

Am Morgen war ein Wrackteil in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens gefunden worden. Ein Mitarbeiter der Gemeinde Nossentiner Hütte entdeckte das etwa einen halben Meter lange Bauteil auf einem benachbarten Sportplatz, nach Angaben der Kindergartenleiterin etwa 40 Meter entfernt von den Spielgeräten. „Wir können von Glück reden, dass wir so davongekommen sind“, sagte sie. Bundeswehrangehörige bargen das zerbeulte Wrackteil, äußerten sich aber nicht zu dessen Funktion. Bei dem Absturz beider Eurofighter-Maschinen über der Mecklenburgischen Seenplatte war ein Pilot ums Leben gekommen. Der zweite wurde verletzt geborgen.

Pilot gesundheitlich stabil

Die Verletzungen des Überlebenden wurden Dienstag als nicht lebensgefährlich beschrieben: Er befindet sich in gesundheitlich stabiler Lage in einem Rostocker Krankenhaus. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, sagte ein Presseoffizier des Geschwaders 73 „Steinhoff“. Er war von Rettungsmannschaften lebend aus einem Baum geborgen worden. Der bei dem Eurofighter-Unglück ums Leben gekommene Pilot war laut Luftwaffe 27 Jahre alt und hatte etwa 400 Stunden Flugerfahrung gehabt. Da die Unglücksursache noch unklar ist, wurde der Flugbetrieb ausgesetzt.