Papst Franziskus hat erneut ein hartes Durchgreifen der katholischen Kirche gegen sexuellen Missbrauch und ein Ende der Vertuschung versprochen – jedoch ohne konkrete Konsequenzen aus der Krise zu benennen. Zum Abschluss des Anti-Missbrauchsgipfels im Vatikan nannte er Missbrauch am Sonntag auch ein gesamtgesellschaftliches Problem, das vor allem „Eltern, Verwandte, die Partner von Kinderbräuten, Trainer und Erzieher“ betreffe.

In der Kirche wiege das Problem jedoch noch schwerer. Bei deutschen Opfern und Experten löste die Rede Empörung aus. Franziskus hatte zu dem historischen Treffen die Spitzen der Bischofskonferenzen der Welt geladen, um die Kirche nach jahrzehntelangen Skandalen aus der tiefen Krise zu führen.

Bei seiner Auftaktrede hatte er am Donnerstag gewarnt, dass die Welt nicht mehr auf die Verurteilung von Missbrauch warte, sondern auf konkrete Maßnahmen dagegen. Opfer fordern etwa, dass Vertuscher und Täter konsequent aus dem Klerikerstand entlassen werden oder dass die Machtstruktur in der Kirche diskutiert würde.

Experten hätten mehr erwartet

Hinter diesen Erwartungen blieb die Rede zurück. „Anstatt konsequent aus der Opferperspektive die Verantwortung der Kirche zu benennen, (war es) routiniertes und uninspiriertes Abspulen von Selbstverständlichkeiten“, sagte Thomas Schüller, Direktor am Institut für Kanonisches Recht der Universität Münster. Die Rede sei „ein Fiasko“ gewesen. Matthias Katsch vom deutschen Opferschutzverband Eckiger Tisch twitterte, die Rede sei „der schamlose Versuch, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, ohne sich der Schuld und dem Versagen zu stellen und wirkliche Veränderung anzugehen“. Franziskus fordert seit Beginn seines Pontifikates immer wieder ein Ende von Missbrauch und eine schonungslose Aufarbeitung der Taten.

Ihn erinnerte Missbrauch auch an die „grausame religiöse Praxis (...), die in der Vergangenheit in einigen Kulturen verbreitet war, nämlich Menschen – oft Kinder – bei heidnischen Ritualen zu opfern“, sagte der Papst. In seiner Grundsatzrede verteidigte Franziskus die Kirche auch gegen Kritik. Die Kirche müsse sich „über alle ideologischen Polemiken und die journalistischen Kalküle erheben, die oftmals die von den Kleinen durchlebten Dramen aus verschiedenen Interessen instrumentalisieren“.

Nach der Papst-Rede erklärte der Vatikan am Sonntag, an konkreten Initiativen gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche zu arbeiten. Diese sollten in Kürze verkündet werden. Eine entsprechende Entscheidung zum Schutz von Minderjährigen solle bald erscheinen, sagte Federico Lombardi, Moderator des Krisengipfels. Lombardi kündigte zudem ein neues Gesetz und neue Richtlinien für den Vatikanstaat selbst an.