Abu Dhabi/Rom (dpa) l Papst Franziskus hat sexuellen Missbrauch von Nonnen in der katholischen Kirche eingeräumt. "Es stimmt, es ist ein Problem", sagte er auf dem Rückflug von Abu Dhabi nach Rom am Dienstag. "Ich weiß, dass Priester und auch Bischöfe das getan haben. Und ich glaube, es wird immer noch getan", sagte er auf eine Frage, was der Vatikan gegen den sexuellen Missbrauch von Ordensschwestern tun wolle. Es betreffe einige Kulturen oder religiöse Gemeinschaften mehr als andere. "Es ist keine Sache, die alle machen."

Der Vatikan arbeite seit langem an dem Problem, so der Papst.  Einige Frauenglaubensgemeinschaften seien aufgelöst worden, einige Kleriker seien "suspendiert" und "weggeschickt" worden. Er fügte hinzu: "Muss man mehr (gegen das Problem) machen? Ja. Wollen wir mehr machen? Ja."

Frauen als "Sklaven"

Er sprach dabei einen Fall einer Gemeinschaft aus der Vergangenheit an, bei dem Frauen "wie Sklaven" behandelt worden seien. Es sei bis zur "sexuellen Sklaverei" durch Kleriker und den Gründer der Gemeinschaft gegangen, so Franziskus. Der damalige Papst Benedikt, der bis 2013 Pontifex war, habe diese Gemeinschaft nach starken Widerständen sofort nach seinem Amtsantritt im Jahr 2005 aufgelöst. Dies zeige, dass Benedikt keinesfalls schwach gewesen war, sondern "sehr mutig". Auf welche Gemeinschaft er sich bezog, sagte der Papst bei der Pressekonferenz im Flugzeug nicht.

Die Misshandlung von Frauen sei aber auch ein generelles Problem. "Die Frau ist zweiter Klasse", sagte Franziskus. Es ist ein kulturelles Problem. (...) Es gibt Länder, wo die Misshandlung von Frauen bis zum Frauenmord geht."

Die katholische Kirche steht derzeit stark wegen Missbrauchsskandalen in mehreren Ländern unter Druck, dabei geht es um die Misshandlung von Kindern. Ende Februar hat der Papst ein Gipfeltreffen in Vatikan zu dem Thema einberufen. Daran sollen die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt teilnehmen. Das Treffen beschäftigt sich allerdings nicht mit dem Missbrauch von Frauen in der Kirche.

Schweigen wird kritisiert

Erst vor kurzem kritisierte das Frauenmagazin der Vatikan-Zeitung "L'Osservatore Romano", dass die Kirche dieses Problem immer noch ignoriere. Missbrauch hänge generell viel mit der Struktur der Kirche zusammen, in der die Geistlichen die Macht auf sich vereinten.

Auch die Internationale Vereinigung von Generaloberinnen, die weltweit 500.000 Ordensschwestern vertritt, beklagte unlängst eine "Kultur des Schweigens". Sie ermutigte Frauen in religiösen Gemeinschaften, jeden Fall von Missbrauch zu melden.