Berlin/Mainz l Kaum ein Thema wird im Lockdown hitziger diskutiert als die Frage, wann die Schulen wieder öffnen dürfen. Das musste jetzt auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erfahren: Kurz vor den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie war die Politikerin im ZDF-Morgenmagazin zu Gast, um das weitere Vorgehen in der Schulpolitik zu erklären. Doch Karliczeks Antworten auf die Fragen von Dunja Hayali blieben oft vage - auch nach mehrmaligem Nachhaken seitens der Moderatorin. Viele Menschen taten daraufhin ihren Unmut in den sozialen Netzwerken kund. Auch Kollegen aus der Politik zeigten sich enttäuscht von dem Auftritt.

Knapp fünf Minuten dauerte Anja Karliczeks Auftritt im Morgenmagazin. Fünf Minuten, die Moderatorin Hayali nutzte, um der Bildungsministerin auf den Zahn zu fühlen. "Bei welcher Inzidenzzahl greift denn nun welche Maßnahme?", fragte Hayali etwa. Konkrete Zahlen wollte Karliczek jedoch nicht nennen, mit den Details müsse man sich "vor Ort noch auseinandersetzen". "Aber was ist niedrig, was ist hoch?", ließ Hayali nicht locker. Die bisherigen Angaben seien ihr und vielen Menschen im Land zu "schwammig".

"All das, was in der nächsten Zeit getan wird, muss sich immer in das Gesamtgeschehen in der Region einordnen", sagte Karliczek, präziser könne sie deshalb an dieser Stelle nicht werden. Ähnlich sah es bei der Frage aus, wie viele Kinder denn künftig gemeinsam in einem Schulbus fahren dürften. Karliczek: "So einfach kann man das nicht sagen."

Netzwelt spricht von "Eiertanz"

Die Netzwelt zeigte sich erzürnt. Viele Nutzer auf Twitter sprachen von "mangelhaften Antworten", "Planlosigkeit" und einem "Eiertanz" der Ministerin. "Ich war selten so fassungslos", schrieb eine weitere Frau auf Twitter. Kritik kam auch von Kollegen aus der Politik. So äußerte sich Katja Suding, Stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag: "Das Moma-Interview ist ein absolutes Armutszeugnis."

Gelobt wurde hingegen von vielen die Hartnäckigkeit der Moderatorin. "Ich feiere gerade Dunja Hayali dafür, dass sie Bildungsministerin Karliczek regelrecht festnagelt und ihr ihre Worthülsen nicht durchgehen lässt", schrieb ein Nutzer auf Twitter.