Magdeburg/Rom (dpa/ro) l Gerhard Feige gilt vielen schon als Aufrührer. Denn der Vorsitzende der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hat sich getraut, den Vatikan zu kritisieren. Im Streit über die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion hatte sich der Magdeburger Bischof Anfang Juni zu Wort gemeldet.

Schreiben des Vatikan

Der Unmut Feiges entzündete sich an einem Schreiben des Vatikan, das die von den deutschen Bischöfen geplanten Erleichterungen bei der Kommunion revidierte. Ende Februar hatten die Chefs der Bistümer mit mehr als Drei-Viertel-Mehrheit beschlossen, eine pastorale Handreichung für das Abendmahl von Ehepaaren unterschiedlicher Konfession auf den Weg zu bringen. Das heißt: Unter bestimmten Bedingungen sollten Protestanten gemeinsam mit ihrem katholischen Ehepartner am Abendmahl teilnehmen dürfen.

Prompt beschwerten sich sieben konservative Bischöfe unter Federführung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki in Rom über den deutschen Beschluss. Die Ökumenepläne gingen ihnen zu weit. Sie bezweifelten, ob eine nationale Bischofskonferenz über die Frage des Kommunionempfangs konfessionsverschiedener Ehepartner entscheiden darf. Rom gab diesen Bischöfen recht. In einem Brief der Glaubenskongregation wurde die Handreichung Anfang Juni als noch nicht reif zur Veröffentlichung gestoppt.

Feiges scharfe Reaktion

Was folgte, war die scharfe Reaktion Feiges, der als Vorsitzender der Ökumene-Kommission der DBK für den Entwurf verantwortlich ist. Der Magdeburger Bischof, der sich schon lange für eine Annäherung von Katholiken und Protestanten einsetzt, sprach in seiner Stellungnahme von einer „unsäglichen Entwicklung“. Feige erklärte, Verbitterung und Resignation machten sich breit, nachdem der Papst seinen Auftrag, bei der Öffnung der Kommunion für protestantische Ehepartner eine möglichst einmütige Regelung zu finden, nun offensichtlich wieder rückgängig gemacht habe.

Dass ein Bischof seine Kritik so frank und frei äußert, geschieht eher selten. Auch in diesem Fall schwiegen die meisten. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, zeigte sich wortkarg. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Montag) verteidigte Feige am Montag abermals die geplante Handreichung der DBK zur Öffnung der Kommunion für protestantische Ehepartner. „Kaum anderswo ist der Anteil der konfessionsverschiedenen Ehepaare mit etwa 40 Prozent so groß wie in Deutschland. Sollen wir davor etwa die Augen verschließen?“, so der Magdeburger Bischof.

Ständiger Rat berät

Warum der Papst die deutschen Bischöfe noch im Mai dazu aufgefordert hatte, eine einmütige Lösung zu finden, und der Vatikan die geplante seelsorgerliche Handreichung der deutschen Bischofskonferenz wenige Wochen später mit Verweis auf die Bedeutung des Themas für die Universalkirche stoppte, könne er sich nicht erklären, sagte Feige. „Ob und wie stark andere Bischofskonferenzen Kritik geäußert haben, weiß derzeit nur Rom alleine“, betonte der Bischof. Auch eine „Art Stellvertreterkrieg“ schließt er nicht aus: „Man prügelt auf die deutschen Bischöfe ein und meint den Papst, der sich erst einmal schützen will.“ Seit Montag berät der „Ständige Rat“ der Bischofskonferenz in Berlin. Im „Ständigen Rat“ ist jedes der 27 Bistümer mit einer Stimme vertreten, in der Regel durch den Ortsbischof. Klar ist: Gerhard Feige wird sich im Kommunionsstreit weiter zu Wort melden.

Der Kommentar zum Thema von Silke Janko.