Seeon (dpa) l Die erste Neuerung für Alexander Dobrindt im CSU-Reformjahr 2019 scheint eher ein Unfall gewesen zu sein. Der Vorsitzende der CSU im Bundestag hat eine neue Frisur – an den Seiten kürzer und deutlich kahler als gewollt. Ein Unfall eben, wie er sagt.

Während sich zum Auftakt der CSU-Klausur im oberbayerischen Kloster Seeon am Donnerstag die meisten aber nicht trauen, Dobrindt auf die lichte Haarpracht anzusprechen, macht Markus Söder dies vor laufenden Kameras: „Es sieht gar nicht mal so viel schlechter aus“, frotzelt der designierte CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident.

Symbolisches Bild für CSU-Start

So wenig die Szene zu Beginn der Klausur mit Politik zu tun hat, so symbolisch darf sie doch für die Lage gesehen werden, in der sich Dobrindt, die Landesgruppe, Söder und die CSU Anfang 2019 befinden: Die Partei, die einst im Freistaat die absolute Mehrheit gepachtet hatte, ist inmitten eines Umbruchs. Ob die Neugestaltung das gleiche Schicksal ereilt wie Dobrindts Frisur, ist offen. Zumindest im konservativen Lager der CSU wetten sie nicht pauschal dagegen.

Fakt ist: So viel Bewegung wie derzeit gab es in der CSU lange nicht. Seit sich Noch-Parteichef Horst Seehofer vor einigen Wochen dem Druck der CSU-Basis beugte und seinen Rücktritt für den 19. Januar ankündigte, herrscht hinter den Christsozialen-Kulissen Aufbruchstimmung. Es sei wichtig, dass die Partei jünger, offener, weiblicher, breiter aufgestellt und sympathischer werde, fasst Söder seinen Kompass für die Reform zusammen. In knapp zwei Wochen soll der Franke, der am 5. Januar 52 wird, neuer CSU-Chef werden.

Spätestens wenn heute AKK in Seeon eintrifft, wollen sich die CSUler nicht mehr nur untereinander über die Zukunft austauschen. „Wir wollen den Zusammenhalt in der Schicksalsgemeinschaft CDU und CSU auch offensiv zeigen“, sagt Dobrindt. Ob das für weitere Jahre in der Großen Koalition ausreicht? Schon die Europawahl im Mai könnte alle Pläne über den Haufen werfen.