Der neue US-Generalkonsul in Leipzig hat Wochen der Überraschungen hinter sich. Auf seinem Einstands-Empfang am Donnerstag in Sachsen-Anhalt bekundet Timothy Eydelnant, der bisher nur Westdeutschland kannte, dass ihn der Elan besonders junger Leute in Mitteldeutschland erstaunt habe.

Sechs Städte haben Partner in den USA

Gegenüber dem Westen, wo alles eingespielt sei, gebe es in Ostdeutschland noch immer einen spürbaren Aufbruchsgeist. Den hat – laut den Zahlen, die Eydelnant nennt – nach der Wende auch die amerikanische Wirtschaft in Sachsen-Anhalt bewiesen. Namhafte US-Unternehmen hätten 2,2 Milliarden Euro investiert und damit rund 8500 Arbeitsplätze geschaffen. Unter den Firmen sind Großkonzerne wie Dow, Dell und IBM.

Andreas Müller, bei der Magdeburger Industrie- und Handelskammer verantwortlich für Außenbeziehungen, unterfüttert diese Fakten. „Die USA haben als Wirtschaftspartner für Sachsen-Anhalt eine enorme Bedeutung“, sagt Müller. Der Handel mit den USA sei in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent gewachsen. „Wir hoffen, dass es so weiter geht.“ Von Einschränkungen durch höhere Zölle – wie von Präsident Donald Trump mehrfach angedroht – sei bislang im gegenseitigen Handel nichts zu spüren.

Sechs Städtepartnerschaften mit USA

Der Generalkonsul stellt daneben die menschliche Komponente des transatlantischen Austausches heraus. „Wir sollten danach streben, dass Gemeinsame zu betonen und Brücken zu bauen“, erklärt Eydelnant. Eine Basis dafür sind die sechs existierenden Städtepartnerschaften zwischen sachsen-anhaltischen Kommunen und amerikanischen Gemeinden.

Weil Beziehungen vor allem durch kulturellen Austausch von unten wachsen, hat der Diplomat zu seinem Empfang nicht in irgendeine Bank und Firmenzentrale eingeladen, sondern in die Magdeburger Stadtbibliothek. Leiterin Cornelia Poenicke verweist dabei auch auf die unterschiedliche Bedeutung der Ausleihen in der Bundesrepublik und den USA. „Bibliotheken sind in Amerika wichtige Kultureinrichtungen. Wir profitieren davon.“

Amerikanische Bücher für Bibliothek

Gemeint sind finanzielle Zuwendungen amerikanischer Einrichtungen sowie Bücherspenden. Wenn etwa US-Verlage auf Messen in Deutschland ausstellen, gehen die Bücher hinterher nicht zurück nach Amerika, sondern kommen deutschen Bibliotheken zugute.

Noch einmal der Generalkonsul: Zum praktischen Effekt von Städtepartnerschaften verweist er auch auf das Jahr 2010, als „die Magdeburger Geld für die von Überflutungen betroffenen Menschen in Nashville gesammelt haben“.

Die Partnerschaft zwischen Nashville in Tennessee und Magdeburg wird an diesem Wochenende mit den „Nashville Days“ laut und fröhlich bekräftigt. Joel Dark leitet gemeinsam mit Burkley Allen den Magdeburg-Freundeskreis in Nashville. Er hat deutsche Geschichte studiert und bewegt sich in Magdeburg daher sprachlich fast wie auf heimischem Terrain. Nachdem Magdeburg sich 2003 erstmals in Tennessee präsentierte, sind beide Städte seit mehr als 14 Jahren verbunden.

„Beziehungen fangen damit an, dass man das Besondere am anderen erkennt“, formuliert Dark beinahe literarisch.

In besonderer Erinnerung ist ihm eine Konferenz in Nashville 2009. Dabei diskutierten amerikanische Bürgerrechtler und Magdeburger Wende-Aktivisten intensiv Menschenrechtsfragen.

Schönebecks Interesse an Texas

Dark ist sicher, dass eine Städteparterschaft auch die gesellschaftlichen Herausforderungen nicht aussparen sollte, zumal, wenn diese ähnlich sind. „Ausländerfeindlichkeit ist ein Problem in den USA und auch hier.“ Darüber sollte man reden. Gerade bei Stürmen in der politischen Großwetterlage setzt der Professor aus Tennessee den zwischenmenschlichen Austausch an die erste Stelle: „Bürgerdiplomatie ist wichtiger denn je.“

Wie langfristig Beziehungen über den großen Teich aufgebaut werden, schildert Bert Knoblauch, Oberbürgermeister von Schönebeck. Über die niedersächsische Partnergemeinde Garbsen sei seine Stadt mit der texanischen Kommune Farmer’s Brunch in Kontakt gekommen, zu der Garbsen enge Beziehungen pflegt. 2020 will man nun die Amerikaner in Schönebeck empfangen. 2023 – so der Plan – wollen die Elbestädter dann selbst nach Texas aufbrechen.